Als die Räder laufen lernten – 200 Jahre Zweirad

Am 12. Juni 1817 fuhr Karl Freiherr von Drais erstmals mit der von ihm erfundenen Laufmaschine von seinem Haus in Mannheim zum etwa 7 km entfernten Schwetzinger Relaishaus. Für Hin- und Rückfahrt benötigte er nur eine knappe Stunde und erreichte damit bereits die bemerkenswerte Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 15 km/h.  Der Vorläufer des heutigen Fahrrads hatte noch keine Pedale. Um vorwärts zu kommen,  musste sich Drais abwechselnd mit den Füßen vom Boden abstoßen. Gestell, Lenker und Reifen waren aus Holz gefertigt und wogen zusammen etwa 22 kg.

Anläßlich des 200. Jahrestags dieses bedeutenden Ereignisses will die „Berliner Archiv-rundschau“ in ihrer nächsten Ausgabe auf die Geschichte des Fahrrads mittels passender Fundstücke aus Berliner Archiven schauen. Wer also in seinem Archiv über entsprechende Dokumente verfügt, ist herzlich aufgerufen, diese an die Redaktion der „Berliner Archiv-rundschau“ zu senden. Schön wäre eine beigefügte Erklärung, noch besser eine kleine erklärende Geschichte. Redaktionsschluss ist der 31. Mai 2017. Adresse der Redaktion: lv-berlin@vda.archiv.net.

Die neue Direktorin des GStA Ulrike Höroldt bereitet ihren Umzug vor

Ulrike Höroldt, derzeit noch Leiterin des Landesarchivs Sachsen-Anhalt in Magdeburg,  bereitet gerade ihren Umzug vor. Wie bereits gepostet, wird sie im Juli als erste Frau in dieser Position die neue Direktorin des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz in Berlin, in Nachfolge von Jürgen Kloosterhuis, der in den Ruhestand geht. 15 Jahre lang hat sie das Magdeburger Archiv geleitet und es in dieser Zeit in ein neues modernes Domizil geführt, wovon sich viele Teilnehmer des Deutschen Archivtages 2014 bei einer Besichtigung persönlich überzeugen konnten. Bereits Ende Januar 2017 hatte sich Ulrike Höroldt zu ihren Plänen für das GStA geäußert, während sie von der Magdeburger Zeitung „Volksstimme“ gerade noch einmal porträtiert wird.

Jugendliche recherchieren zur Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus

Ein interessantes Projekt zur Archivarbeit mit Jugendlichen veranstaltet derzeit das Jugendmuseum in Berlin-Schöneberg. Schüler aus Berlin und Tel Aviv forschen gemeinsam zur Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus. „Alle zusammen und niemand vergessen“ lautete die Projektwoche, die Ende März im Jugendmuseum durchgeführt wurde. Dort und bei einem Gegenbesuch im Juli in Tel Aviv-Jaffa forschen Schüler des Robert-Blum-Gymnasiums und der Alterman Tichonet School in Archiven, besuchen Gedenkorte und befragen Zeitzeugen. Ebenso beschäftigen sie sich mit den Formen des öffentlichen Erinnerns an diese Verfolgung und setzen sich mit der aktuellen Situation von Flüchtlingen auseinander, die wegen ihrer sexuellen Orientierung in ihrem Herkunftsland verfolgt wurden. Mehr über das Projekt kann man der Pressemitteilung entnehmen.

Berliner Datenschutzbeauftragte rügt Krankenhäuser wegen der Auslagerung von Archivdienstleistungen

DatenschutzDie Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Maja Smoltczyk hat am 7. April 2017 ihren Tätigkeitsbericht für das Jahr 2016 vorgestellt. Darin stellt sie u. a. fest, dass durch die gegenwärtige Praxis der Krankenhäuser,  Archivdienstleistungen auszulagern, insbesondere Digitalisierung und Archivierung von Patientenakten, geltende Gesetzte verletzt werden.
Viele Kliniken haben in der jüngsten Vergangenheit Tochtergesellschaften gegründet, um Dienstleistungen auszulagern. Zuletzt zählten dazu auch die Digitalisierung und Archivierung von Patientenakten. Dabei werden schutzwürdige und sensible Patientendaten an Dritte übermittelt, die keiner ärztlichen Schweigepflicht unterliegen. Dadurch sind diese Daten nicht mehr geschützt.

Eine Auslagerung von Dienstleistungen durch ein Krankenhaus sei jedoch nur in sehr engen Grenzen zulässig, um dem Schutzbedarf der anvertrauten sensitiven Patientendaten Rechnung zu tragen. Nur eine neue gesetzliche Regelung könne „gewährleisten, dass die Kenntnisnahme von Berufsgeheimnissen auf das unbedingt Erforderliche beschränkt wird und die Dienstleister ebenfalls der Schweigepflicht unterworfen werden. Auch muss durch Weisungsrechte der Berufsgeheimnisträger deren Verantwortlichkeit für die Berufsgeheimnisse gewahrt werden.“

Verschollene Unabhängigkeitserklärung Litauens in Berlin gefunden

Die Unabhängigkeitserklärung Litauens vom 16. Februar 1918 ist im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes entdeckt worden. Seit der sowjetischen Besatzung des Landes 1940 galt das Dokument als verschollen. Wie die FAZ schreibt, hat der litauische Historiker Liudas Mazylis nun eine  handschriftliche Ausfertigung der Erklärung in deutscher und litauischer Sprache gefunden. Der Litauische Rat, das Führungsgremium der Unabhängigkeitsbewegung, hatte das Dokument im Februar 1918 den Vertretern des Deutschen Kaiserreichs übergeben, das am Ende des Ersten Weltkriegs in Litauen Besatzungsmacht war. Ein weiteres Exemplar soll nach Russland gegangen sein. Über dessen Verbleib ist nichts bekannt.

In Litauen löste der Fund eine große Begeisterung aus, insbesondere, da im nächsten Jahr, am 16. Februar 2018, der hundertste Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung gefeiert wird.

Das Zimmermann-Telegramm im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts

2017 kehrt zum 100. Mal eine der zahlreichen bizarren Episoden des Ersten Weltkriegs wieder: Das sogenannte Zimmermann-Telegramm – Deutschlands Bündnisangebot an Mexiko für einen Krieg gegen die USA. Das Stück ist ein dankbares Demonstrationsobjekt für eine aktenkundliche Analyse und hat eine interessante Überlieferungsgeschichte.

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re:publica auch 2017 wieder mit einer Archivsektion

reAuch bei der diesjährigen re:publica, die vom 8. bis 10. Mai in der Station Berlin stattfindet, wird es wieder eine Archivsektion geben und zwar am 8. Mai 2017 unter der Überschrift Im Hinterzimmer der digitalen Revolution. Oder: Warum Archive wie Fallschirme sind.  Geleitet wird die Session von Antje Diener-Steckling, Joachim Kemper und Elisabeth Steiger. Nachdem im letzten Jahr den Archiven bei der re:publica erstmals Platz für eine Sektion eingeräumt wurde, scheint dies nun zu einer guten Tradition zu werden.

Die re:publica ist eine der wichtigsten Konferenzen zur digitalen Gesellschaft und findet seit 2007 jährlich in Berlin statt. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Welt (im letzten Jahr über 7.000) beschäftigen sich in Vorträgen und Workshops mit verschiedensten Themen wie soziale Medien, Weblogs, Kultur, Wissenschaft, Politik und Technik. Viele Veranstaltungen kann man auch per Audio- oder Videostream verfolgen.

Erster Berliner Archivtag am 15. November 2017

Der Vorstand des Landesverbands Berlin hat beschlossen, am 15. November 2017 einen Berliner Landesarchivtag auszurichten. Veranstaltungsort ist die Berlinische Galerie in Berlin-Mitte. Damit wird es erstmals ein solches Angebot des fachlichen Austauschs und der Weiterbildung an die Berliner Archivarinnen und Archivare geben. Aber auch alle anderen am Archivwesen Interessierten sollen damit angesprochen werden.
Das Rahmenthema der Konferenz lautet: Kulturelle Vielfalt – Archive in Berlin. Die Vielfalt der verschiedenen Archive aller Archivsparten, unter denen sich viele wissenschaftliche und sogenannte Kulturarchive befinden, soll ebenso in den Blick genommen werden wie deren vielfältige Anforderungen. Darüber hinaus soll über die Wahrnehmung und Sichtbarkeit der Archive in der Stadt diskutiert werden.

Für die einzelnen Veranstaltungen sind vorerst folgende Themen geplant:
1. Welche Geschichte bewahren wir? Überlieferungsbildung nichtstaatlicher Gruppen,
2. Quo vadis Archivrecht? Auswirkungen und Chancen der Novellierungen von Bundesarchivgesetz, Landesarchivgesetz und Urheberrechtsgesetz,
3. Archivpädagogik in Berliner Archiven – Neuland oder Erfolgsmodell?
4. Berlin – Schmelztiegel der Kulturen? Quellen der Zuwanderung in Berlin.
Alle Interessierten sind herzlich aufgerufen, sich mit Vorträgen, Werkstattberichten oder Diskussionsbeiträgen zu beteiligen oder das Organisationskomitee zu unterstützen. Ideen, Anregungen und Vorschläge sind sehr willkommen.

In den nächsten Ausgaben des „Archivar“, auf den Seiten des Landesverbands auf der VdA-Website (www.vda.lvberlin.archiv.net) und in diesem Blog wird über die Vorbereitung des Landesarchivtags berichtet werden.

Jüdischer Nachlass in Basdorf entdeckt

Das Archiv des Jüdischen Museums Berlin erhielt vor kurzem den Nachlass von Kurt Danielewicz (1893–1972), früherer Bezirksrat von Charlottenburg. Auf einem ehemaligen Kasernengelände bei Wandlitz wurden die Unterlagen, die nach Angaben der BZ v.28.02.2017 u.a. Personaldokumente, Briefe, Fotos und Ausweise der Familie enthielten, entdeckt. (Twittermeldung dazu)

Die Kaserne in Basdorf, die in der NS-Zeit entstand, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Bereitschaftspolizei genutzt, nach 1989 als brandenburgische Polizei-Fachhochschule. Nun soll hier eine Wohnsiedlung entstehen.

Der Bestand „Kirchenbuchstelle Alt-Berlin“ – Ergebnis einer kirchlichen Sippenforschung

Hitlers Helfer vom Archiv, unter diesem Titel sendete der Deutschlandfunk vor kurzem einen hörenswerten Beitrag über den Bestand „Kirchenbuchstelle Alt-Berlin“ im Evangelischen Landeskirchlichen Archiv in Berlin. Diese Einrichtung wurde 1936 auf Intitiative des Pfarrers Karl Themel gegründet, der zu einem glühenden Nationalsozialisten avanciert war und Leiter der neuen Behörde wurde.
Die Kirchenbuchstelle mit Sitz im Gemeindehaus der Georgenkirche undzeitweilig über 30 Mitarbeitern sollte alle Kirchenbücher der Altberliner Stadtgemeinden zentral erfassen und eine Gesamtkartei aller in diesen Büchern vorkommenden Namen anlegen. Doch Themel ließ seine Mitarbeiter die Karteien zusätzlich gezielt nach Christen jüdischer Herkunft durchforsten und diese in einer extra angelegten Fremdstämmigenkartei erfassen. Er tat das selbstständig, ohne erst Anfragen von Gestapo oder Parteistellen abzuwarten, und gab die Namen an die Verfolgungsbehörden weiter. Damit wurde er aktiver Teil der Verfolgung, denn ohne seine akribische Arbeit wären die Verfolgungsbehörden nicht so einfach an die Namen gelangt.
Die Zeugnisse seines Tuns, u. a. 21 schmale Katalogbändchen mit rund 2.600 Namen, sind heute noch im Evangelischen Landeskirchlichen Archiv einzusehen.
Der Beitrag, in dem auch der Leiter des Archivs Wolfgang Krogel zu Wort kommt, kann hier nachgehört werden. Die Bestandsbeschreibung findet sich hier.