Archiv der Kategorie: Archive

Stasiunterlagen werden ins Bundesarchiv überführt

Das hat der Bundestag in seiner Sitzung am 26. September 2019 beschlossen. Er folgt damit dem gemeinsamen Konzept des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, und des Präsidenten des Bundesarchivs, Michael Hollmann. Die Unterlagen sollen am jetzigen Standort verbleiben und außerdem Bestände der zentralen DDR-Behörden, das Archiv der SED sowie der Massenorganisationen der DDR und die Bibliothek der Stiftung Partei- und Massenorganisationen der DDR aufnehmen. Außerdem soll es künftig nur noch eine Außenstelle pro Bundesland geben. Die Umsetzung dieser Pläne ist bis 2021 geplant.

PM des BStU

RBB-Beitrag v.26.09.2019

Bericht des Bundestags

Neue Räume für das Archiv im Böhmischen Dorf

Die Eröffnung fand im Garten statt

Gemeinsam mit rund 100 Gästen feierte das Archiv im Böhmischen Dorf am 6. September 2019 die Eröffnung seiner neuen Archivräume. Im historischen Bet- und Schulhaus Kirchgasse 5, mitten im alten Dorfkern von Rixdorf in Neukölln, das neue Domizil bezogen werden. Der Umzug dorthin war seit einem knappen Jahr vorbereitet worden. Hier, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum im Böhmischen Dorf, das sich im anderen Teil des Hauses befindet, kann das Archiv nun viel besser seinen Aufgaben nachgehen.
Das ist nicht nur die eigentliche Archivarbeit mit der Betreuung zahlreicher Forschungsprojekte. Wie kaum ein anderes Berliner Archiv ist dieses in der unmittelbaren Nachbarschaft verwurzelt. Sichtbare Zeichen sind die vielen Projekte, von denen nur zwei genannt werden sollen: “Kiezfüchse”, in dem Kinder der ersten und zweiten Klasse der Richard Grundschule einen Stadtrundgang im Richardkiez entwickelt und dazu die Geschichte der einzelnen Gebäude erforscht haben. Und das Projekt “Rixdorfer erzählen”, in dem die Berichte von Senioren über deren Ankunft nach dem Krieg in Neukölln aufgeschrieben werden.

Das neue Archivgebäude

Weitere Informationen:
Archiv im Böhmischen Dorf, Kirchgasse 5, 12043 Berlin, Telefon: 68999720 www.boehmischesdorf.de.

8. September 2019: Rundgang durch das Gedächtnis des Deutschen Bundestages

Beim Tag der Ein- und Ausblicke des Deutschen Bundestages können Besucherinnen und Besucher erstmals das Archiv, die Bibliothek und die Pressedokumentation selbst erkunden. Einzelne Magazine und Funktionsräume sind Teil des offiziellen Rundgangs. In den Jahren zuvor war eine Besichtigung nur im Rahmen von Führungen möglich. Schautafeln erläutern, wie Archivgut erhalten wird und wie ein Magazin funktioniert. Zudem sind zwei der wichtigsten Dokumente zur Geschichte der Bundesrepublik zu sehen: der Beschluss des Parlamentarischen Rates zur Annahme des Grundgesetzes am 8. Mai 1949 und das Schreiben der Präsidentin der Volkskammer der DDR vom 25. August 1990, in dem sie der Präsidentin des Deutschen Bundestages den Beschluss der Volkskammer über den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes mitteilt.
Das komplette Programm ist hier abrufbar.

100 Jahre Zionistisches Zentralarchiv

Am 5. Juni 2019 wurde dieses Ereignisses vor dem Haus Meinekestraße 10 in Berlin-Wilmersdorf gedacht. Dort befand sich ab 1924 das Archiv, das bereits 1919 gegründet worden war. Es umfasst die Überlieferung des Zionistischen Zentralbüros sowie weiterer Organisationen und Personen, darunter den Nachlass von Theodor Herzl. 1933 wurde das Archiv nach Jerusalem gebracht.

Im Rahmen der Feier, an der u.a. der Bürgermeister von Jerusalem, Moshe Lion, und der Berliner Kultursenator Klaus Lederer teilnahmen, wurde eine Gedenktafel enthüllt, die an das Archiv erinnert.

Beitrag der Jüdischen Allgemeinen v.06.06.2019

Mitteilung der Israelischen Botschaft in Berlin v.06.06.2019

Neue Archiv- und Nutzungsordnung für den Deutschen Bundestag

Der Präsident des Deutschen Bundestages hat am 26. März 2019 eine neue Archivordnung sowie eine neue Nutzungsordnung für das Parlamentsarchiv in Kraft gesetzt. Die neuen Regelungen sind mit dem Bundesarchivgesetz 2017, der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sowie dem Bundesdatenschutzgesetz (neu) harmonisiert. Darüber hinaus besteht ab sofort für Nutzerinnen und Nutzer des Parlamentsarchivs die Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen Archivgut im Lesesaal mit eigenen Geräten abzufotografieren.

Stasi-Unterlagen kommen ins Bundesarchiv

Roland Jahn, Wolfgang Schäuble, Michael Hollmann  Foto: BStU

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU) Roland Jahn und der Präsident des Bundesarchivs Michael Hollmann haben gestern, anlässlich der Übergabe des 14. Tätigkeitsberichts zur Arbeit der BStU an den Bundestag, ein Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen vorgelegt.  Das sind die zentralen Punkte:
– die Stasi-Unterlagen werden in das Bundesarchivs integriert,
– das Amt des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen wird abgeschafft,
– am bisherigen Standort des Stasi-Unterlagen-Archivs in Berlin-Lichtenberg entsteht ein Kompetenzzentrum zum Erhalt der Unterlagen mit Werkstätten zur Restaurierung und Digitalisierung,
– dieses Zentrum soll Teil eines Archivzentrums zur SED-Diktatur werden,
– in das neue Archivzentrum werden auch die Unterlagen der Bestände der zentralen DDR-Behörden und der Stiftung Parteien und Massenorganisationen in der DDR (SAPMO) des Bundesarchivs untergebracht, die bislang in Berlin-Lichterfelde lagern,
– die bislang zwölf Außenstellen der Stasi-Unterlagenbehörde werden auf je einen Archivstandort pro Bundesland reduziert, für die entsprechende Gebäude neu oder umgebaut werden.  Information, Beratung, Antragstellung und Akteneinsicht sollen an den anderen Standorten aber weiterhin möglich sein.
Das Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen soll in den nächsten Monaten in den Facharbeitsgruppen der unterschiedlichen Bundestagsfraktionen und innerhalb der Regierungskoalition beraten werden. Zudem ist im Ausschuss für Kultur und Medien in den kommenden Monaten eine ausführliche Vorstellung und Beratung des Konzeptes geplant. Wann die einzelnen Punkte umgesetzt werden, ist allerdings noch fraglich.

Archiv für Roma-Kultur geht online


Screenshot

Heute Abend wird Homepage romarchive.eu freigeschaltet. Das neue Portal soll  die vielfältige Kunst und Kultur der Sinti und Roma und ihren Einfluss auf die europäische Kulturgeschichte sichtbar machen Auf Deutsch, Englisch und Romanes werden knapp 5.000 Objekte präsentiert: historische Dokumente, Zeitzeugeninterviews von Holocaust-Überlebenden, Interviews mit Ikonen der mencomusik. Bis zur Freischaltung kann man noch den entsprechenden und sehr informativen Blog besuchen.
Die Idee dafür entstand übrigens nach der Eröffnung des Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin 2012. Unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes ist ein virtuelles Archiv und Museum entstanden.
Zum Start von RomArchive veranstaltet die Berliner Akademie der Künste ein viertägiges interdisziplinäres Festival. Heute Abend z. B. mit einem Konzert der Gypsy-Band Kal aus Belgrad. Hingehen lohnt sich unbedingt. Programm hier und hier.
Hier noch einige links zu aktuellen Berichten:
Berliner Zeitung
Deutsche Welle
Tagesspiegel
Deutschlandfunk

Vorgestellt: Das BVG-Archiv

Vor 90 Jahren wurden die Berliner Verkehrsbetriebe gegründet. Dieses historische Datum nimmt die Berliner Morgenpost zum Anlass, um das derzeit von Axel Maruszat geleitete Unternehmensarchiv vorzustellen. Der Leser erfährt etwas über die wechselvolle BVG-Geschichte, aber auch über das in Köpenick untergebrachte Archiv und seine Bestände.

Der RBB, der ein Interview mit Maruszat führte, hält in seinem Beitrag auch noch eine umfangreiche Bilderstrecke parat.

Züllichauer Leichenpredigten erschlossen

Ein lange vermisster Sammlungsbestand konnte im Geheimen Staatsarchiv (PK) entdeckt und erschlossen werden. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Leichenpredigten aus dem Kirchenkreis Züllichau aus dem Zeitraum 1672-1771. Die insgesamt zehn überlieferten Bände wurden vertieft erschlossen und dabei  der Name jedes Verstorbenen erfasst. Der Bestand wurde provenienzhalber an das Evangelische Zentralarchiv abgegeben, wo er nun genutzt werden kann.

Hier der Text der Mitteilung des GStA

Archiv für alternatives Schrifttum in Duisburg bedroht

Das Archiv für alternatives Schrifttum in Duisburg (afas) ist massiv bedroht. Da dieser Vorgang und das große politische und mediale Echo auch für Berliner Archive wichtig und interessant ist, sei an dieser Stelle kurz darüber berichtet.

Das afas, gegründet 1986, ist mittlerweile das größte Freie Archiv für Materialien der Neuen Sozialen Bewegungen. Nach jahrelangem Kampf um eine ausreichende und dauerhafte Finanzierung sowie archivgerechte Räumlichkeiten konnte es 2017 dank finanzieller Unterstützung durch das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Duisburg adäquate neue Räume mit ausreichendem Platz, aber auch höheren Kosten, in der Duisburger Innenstadt beziehen und erhielt für 2018 und 2019 vom Land Haushaltsmittel bewilligt. Kürzlich beschloss jedoch der Haushaltsausschuss des Landtags, die Mittel für 2019 wieder zu streichen.

Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) hat am 5. Dezember einen Offenen Brief an die Landesregierung und alle Landtagsabgeordneten geschrieben und um Rücknahme dieses Beschlusses in der 3. Lesung des Haushalts am 12. Dezember gebeten. Zahlreiche prominente Unterstützerinnen und Unterstützer haben diesen Brief mit gezeichnet. Eine große Zahl weiterer Unterstützer haben sich ebenfalls an die Landtagsfraktionen gewandt. Insbesondere der Leiter des afas Jürgen Bacia mobilisierte auch die Öffentlichkeit. Das mediale Echo war sehr groß, u. a. im Deutschlandfunk, WDR, FAZ und WAZ. Inzwischen ist der Beschluss zurück genommen worden und das afas wird 2019 weiter gefördert. Allerdings bedeutet dies noch nichts für 2020!

Fazit: Der Einsatz hat sich gelohnt. Schade nur, dass sich Politik und Medien eher in Krisen mobilisieren lassen.