Das Archiv Schreibende ArbeiterInnen wurde 1997 in Berlin eröffnet. Das Archiv bewahrt Texte und Materialien, die von Mitgliedern der Zirkel schreibender Arbeiter in der DDR verfasst wurden. Die ersten dieser Zirkel gründeten sich Anfang der 1960er Jahre in Volkseigenen Betrieben und Kulturhäusern. Dort schrieben Arbeiterinnen und Arbeiter unter professioneller Anleitung – unter anderem von Heiner Müller, Brigitte Reimann oder Christa Wolf – literarische Texte über ihren Alltag, die Arbeitswelt und gesellschaftliche Themen. Der Trägerverein SchreibArt hatte jedoch zuletzt Schwierigkeiten, das Archiv zu erhalten. Daher entschloss er sich, die Bestände an das Fritz-Hüser-Institut in Dortmund zu geben, das auf deutschsprachige Literatur der Arbeitswelt spezialisiert ist und damit ein ähnliches Sammelkonzept verfolgt.
Am 12. November 2025 wurde das Archiv Schreibende ArbeiterInnen im Industriesalon Schöneweide in Berlin von der langjährigen Vorsitzenden des Vereins SchreibArt Dolores Pieschke verabschiedet und zwei Tage später, am 14. November, im Literaturhaus Dortmund begrüßt: „Mit diesem Umzug wird ein wichtiges Stück Literaturgeschichte des Ostens und des Westens zusammengeführt. Das macht mich als Literaturwissenschaftlerin, aber auch als Privatperson sehr glücklich, denn so können wir hier mehr über die – und aus der – Literatur der DDR lernen und zusätzlich Dinge im Gesamtzusammenhang sehen und erforschen“, freute sich Iuditha Balint, Direktorin des Fritz-Hüser-Instituts.
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Urkunden an Polen zurückgegeben
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat kürzlich 73 mittelalterliche Urkunden des Deutschen Ordens, die bislang im Geheimen Staatsarchivs aufbewahrt wurden, an Polen zurückgegeben. Die Urkunden waren während der deutschen Besetzung Polens im Zweiten Weltkrieg aus dem Hauptarchiv Alter Akten in Warschau geraubt worden. Federführend dabei waren Königsberger Archivare, welche die Archivalien anschließend in den Urkundenbestand des Staatsarchivs Königsberg eingliederten.
Mit der Auslagerung des Staatsarchivs Königsberg 1944/45 gelangten die Urkunden zunächst in die Auslagerungsorte Grasleben bzw. Goslar, 1953 ins Archivlager Göttingen und 1979 schließlich ins Geheime Staatsarchiv.
Bedauerlich ist, dass die Rückgabe erst 80 Jahre nach Kriegsende erfolgte.
Botho Brachmann gestorben
Am 26. November 2025 ist Botho Brachmann im Alter von 95 Jahren verstorben. Er hat in Lehre und Forschung wesentlich zur Anerkennung der Archivwissenschaft als historisch orientierter Informationswissenschaft beigetragen.
Brachmann wurde 1971 zum Leiter des Bereichs Archivwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin ernannt und dort 1976 zum außerordentlichen und 1987 schließlich zum ordentlichen Professor für Archivwissenschaft berufen und war so bis 1996 Inhaber des einzigen Lehrstuhls für diese Wissenschaftsdisziplin in Deutschland. In dieser Funktion, auf wissenschaftlichen Kongressen und in vielen Publikationen hat er wichtige Anstöße für die Entwicklung der Archivwissenschaft gegeben. Mit der Lehre, nahezu 500 Archivarinnen und Archivare haben bei ihm gehört, hat er zu einem hohen Niveau des archivarischen Berufsstandes in Deutschland beigetragen.
Demnächst wird ein ausführlicher und würdigender Nachruf erscheinen.
Workshop: Audiovisuelle Archive zwischen Recherche, KI und semantischer Exploration
DigiS bietet am 1. Dezember 2025 einen KI & Filmerbe Workshop an. In Kooperation mit Dominik Bönisch Alpári von der Hochschule Düsseldorf / MIREVI findet ein weiterer digiS-Machine-Learning-Montag statt (MLM II), nun mit Fokus auf einen spezifischen Fachbereich: Audiovisuelle Archive.
Audiovisuelle Archive stellen Forschende, Kurator:innen und Kulturinstitutionen vor besondere Herausforderungen: Wie lassen sich Bild-, Video- und Tonbestände erschließen, durchsuchen und interpretieren, wenn sie aus heterogenen Quellen stammen und in komplexen Kontexten entstanden sind? Der Workshop widmet sich aktuellen Ansätzen, mit denen audiovisuelle Sammlungen anders zugänglich und neu erfahrbar gemacht werden können – von semantischer Suche über Detektivarbeit im Stadtraum bis hin zur Nutzung generativer KI in der Archivexploration. Die Veranstaltung richtet sich an alle, die mit audiovisuellen oder multimedialen Sammlungen arbeiten. Im Mittelpunkt steht das Kennenlernen praktizierter Such-Methodiken sowie der Austausch über Werkzeuge für die Erschließung und Vermittlung audiovisueller Kulturdaten. Weitere Informationen: https://www.digis-berlin.de/veranstaltungen/workshops/#tab-tb_ec2a3b1-0
1. Dezember 2025, 10–12 Uhr, Online auf Zoom
Anmeldung (bis 27.11.):
https://terminplaner6.dfn.de/b/950670535e0dba1b7f2eadec7a115071-1481459
Fachforum zum Tanzerbe
Am 15. Januar 2026 findet von 14 bis 17 Uhr in der Akademie der Künste ein öffentliches Fachforum zum Tanzerbe statt.
Im Jahr 2023 hat der Verbund Deutscher Tanzarchive eine durch die Kulturstiftung der
Länder geförderte Studie zu den Strukturbedingungen und Arbeitsprozessen in
Tanzarchiven und Tanzsammlungen vorgelegt. Die Ergebnisse der Studie zeigen: Es
reicht nicht, die Situation einzelner Archive zu verbessern. Für die Resilienz der einzelnen
Institutionen und Einrichtungen sind der Aufbau und die nachhaltige Stärkung eines
Kompetenznetzwerks Tanz|Archiv dringend notwendig. Angesichts nationaler Krisen und
globaler Verwerfungen zeigt sich umso mehr, dass Archive das unverzichtbare Gedächtnis
der Gesellschaft sind und für künftige Generationen verlässlich und zugänglich bleiben
müssen. Im öffentlichen Fachforum sollen weitere Best-Practice Beispiele der Kompetenz-Netzwerk-Bildung sowie Fragen des aktiven Kulturgutschutzes für ein immaterielles Erbe Tanz diskutiert werden.
Die Anmeldung ist bereits möglich: n.fiedler@dachverband-tanz.de an.
Das ausführliche Programm gibt es ab Dezember unter: www.tanzarchive.de
15. Januar 2026, 14-17 Uhr
Akademie der Künste, Plenarsaal, Pariser Platz 4, 10117 Berlin
Berliner Archivtag 2025: Die Vortragenden (6)
Sven Kriese wird sich mit der Frage befassen, ob sich Archive unter den anstehen Herausforderungen noch Bestandserhaltung leisten sollten und können.
Sven Kriese ist seit 2024 Direktor des Landesarchivs Berlin. Zuvor arbeitete er seit 2004 am Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz,wo er zuletzt die Abteilung „Zentrale Dienste“ leitete und Vertreter der Direktorin war. Seit Jahren befasst er sich neben anderen Themen intensiv mit Fragen der Bestandserhaltung und war in entsprechenden Germien aktiv.
Berliner Archivtag 2025: Die Vortragenden (5)
Dr. Gergor Patt wird für die Dikskussion über die Anforderungen an Aus-, Fort- und Weiterbildung einen Impuls setzen, in dem er zu mehr Aus- und Weiterbildung aufrufen wird.
Gregor Patt ist seit 2016 am Archivberatungs- und Fortbildungszentrums des Landeschaftsverbands Rheinland (LVR-AFZ) in Pulheim-Brauweiler. Seit 2019 leitet er dort das Team Archivberatung, Aus- und Fortbildung. Darüber hinaus beschäftigt er sich vor allem mit Problemen der Schriftgutverwaltung, der Präsentation von Erschließungsinformationen im Internet sowie mit rechtlichen Fragen.
Berliner Archivtag 2025: Die Vortragenden (4)
Dagmar Hovestädt wird mit einem Impulsvortrag die Abschlussdiskussion zur Rolle der Archive im 21. Jahrhundert eröffnen.
Dagmar Hovestädt ist eine internationale Archiv-Expertin, die an der Schnittstelle von Archiven, Menschenrechten und Vergangenheitsbewältigung arbeitet und publiziert. Von 2011 bis 2021 war sie die Sprecherin des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und von 2021 bis 2024 Leiterin der Abteilung Vermittlung und Forschung im Bundesarchiv.
Zurzeit arbeitet sie mit Archiven und Initiativen in Irland, Syrien, Deutschland und beim Internationalen Archivrat (ICA) zusammen, u. a. mit dem Team des virtuellen ISIS Prisons Museum, das mit digitalen Rekonstruktionen Orte der Verbrechen in Syrien und Irak detailgenau untersucht, um für die Familien der Verschwundenen über das Geschehene aufzuklären und Strafverfolgung zu ermöglichen. Sie ist Aufsichtsratsmitglied und Gesellschafterin bei Correctiv. Seit 2024 und noch bis 2027 ist sie Lehrbeauftragte am Irischen Zentrum für Menschenrechte der Universität Galway.
Berliner Archivtag 2025: Die Vortragenden (3)
Lambert Kansy wird über die Erfahrungen des Staatsarchivs Basel-Stadt mit dem digitalen Lesesaal sprechen.
Lambert Kansy ist seit 2008 Leiter der Abteilung Informatik und Reprodienst am Staatsarchiv Basel-Stadt. In dieser Funktion verantwortet er den Aufbau von Infrastrukturen zur digitalen Archivierung – von der Übernahme bis zur Nutzung – und die Digitalisierung analogen Archivguts. Seit 2015 ist er zusätzlich Projektleiter des Staatsarchiv für den Neubau des Staatsarchivs, der 2021 begonnen wurde und 2026/27 bezugsfertig sein soll.
Berliner Archivtag 2025: Die Vortragenden (2)
Dr. Laura Scherr spricht über Anforderungen an Archivgebäude, insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels .
Laura Scherr ist Referentin für Bestandserhaltung in der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns und leitet die Abteilung 3 (Archivbau, Bestandserhaltung, Veröffentlichungen, Öffentlichkeitsarbeit). Daneben ist sie Lehrbeauftragte für Archivbau, Bestandserhaltung, Öffentlichkeitsarbeit an der Bayerischen Archivschule und der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern. Sie ist Mitglied im Bestandserhaltungsausschuss der Konferenz der Leiterinnen und Leiter der Archivverwaltungen des Bundes und der Länder (KLA) und im Fachbeirat der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK).