Erster Berliner Archivtag am 15. November 2017

Der Vorstand des Landesverbands Berlin hat beschlossen, am 15. November 2017 einen Berliner Landesarchivtag auszurichten. Veranstaltungsort ist die Berlinische Galerie in Berlin-Mitte. Damit wird es erstmals ein solches Angebot des fachlichen Austauschs und der Weiterbildung an die Berliner Archivarinnen und Archivare geben. Aber auch alle anderen am Archivwesen Interessierten sollen damit angesprochen werden.
Das Rahmenthema der Konferenz lautet: Kulturelle Vielfalt – Archive in Berlin. Die Vielfalt der verschiedenen Archive aller Archivsparten, unter denen sich viele wissenschaftliche und sogenannte Kulturarchive befinden, soll ebenso in den Blick genommen werden wie deren vielfältige Anforderungen. Darüber hinaus soll über die Wahrnehmung und Sichtbarkeit der Archive in der Stadt diskutiert werden.

Für die einzelnen Veranstaltungen sind vorerst folgende Themen geplant:
1. Welche Geschichte bewahren wir? Überlieferungsbildung nichtstaatlicher Gruppen,
2. Quo vadis Archivrecht? Auswirkungen und Chancen der Novellierungen von Bundesarchivgesetz, Landesarchivgesetz und Urheberrechtsgesetz,
3. Archivpädagogik in Berliner Archiven – Neuland oder Erfolgsmodell?
4. Berlin – Schmelztiegel der Kulturen? Quellen der Zuwanderung in Berlin.
Alle Interessierten sind herzlich aufgerufen, sich mit Vorträgen, Werkstattberichten oder Diskussionsbeiträgen zu beteiligen oder das Organisationskomitee zu unterstützen. Ideen, Anregungen und Vorschläge sind sehr willkommen.

In den nächsten Ausgaben des „Archivar“, auf den Seiten des Landesverbands auf der VdA-Website (www.vda.lvberlin.archiv.net) und in diesem Blog wird über die Vorbereitung des Landesarchivtags berichtet werden.

Jüdischer Nachlass in Basdorf entdeckt

Das Archiv des Jüdischen Museums Berlin erhielt vor kurzem den Nachlass von Kurt Danielewicz (1893–1972), früherer Bezirksrat von Charlottenburg. Auf einem ehemaligen Kasernengelände bei Wandlitz wurden die Unterlagen, die nach Angaben der BZ v.28.02.2017 u.a. Personaldokumente, Briefe, Fotos und Ausweise der Familie enthielten, entdeckt. (Twittermeldung dazu)

Die Kaserne in Basdorf, die in der NS-Zeit entstand, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der Bereitschaftspolizei genutzt, nach 1989 als brandenburgische Polizei-Fachhochschule. Nun soll hier eine Wohnsiedlung entstehen.

Der Bestand “Kirchenbuchstelle Alt-Berlin” – Ergebnis einer kirchlichen Sippenforschung

Hitlers Helfer vom Archiv, unter diesem Titel sendete der Deutschlandfunk vor kurzem einen hörenswerten Beitrag über den Bestand “Kirchenbuchstelle Alt-Berlin” im Evangelischen Landeskirchlichen Archiv in Berlin. Diese Einrichtung wurde 1936 auf Intitiative des Pfarrers Karl Themel gegründet, der zu einem glühenden Nationalsozialisten avanciert war und Leiter der neuen Behörde wurde.
Die Kirchenbuchstelle mit Sitz im Gemeindehaus der Georgenkirche undzeitweilig über 30 Mitarbeitern sollte alle Kirchenbücher der Altberliner Stadtgemeinden zentral erfassen und eine Gesamtkartei aller in diesen Büchern vorkommenden Namen anlegen. Doch Themel ließ seine Mitarbeiter die Karteien zusätzlich gezielt nach Christen jüdischer Herkunft durchforsten und diese in einer extra angelegten Fremdstämmigenkartei erfassen. Er tat das selbstständig, ohne erst Anfragen von Gestapo oder Parteistellen abzuwarten, und gab die Namen an die Verfolgungsbehörden weiter. Damit wurde er aktiver Teil der Verfolgung, denn ohne seine akribische Arbeit wären die Verfolgungsbehörden nicht so einfach an die Namen gelangt.
Die Zeugnisse seines Tuns, u. a. 21 schmale Katalogbändchen mit rund 2.600 Namen, sind heute noch im Evangelischen Landeskirchlichen Archiv einzusehen.
Der Beitrag, in dem auch der Leiter des Archivs Wolfgang Krogel zu Wort kommt, kann hier nachgehört werden. Die Bestandsbeschreibung findet sich hier.

Vom Kaufhaus zum Tacheles – Fotografien der Friedrichstraßen-Passage im Technikmuseum

Das Tacheles 2017
Das Tacheles 2017

Während aktuell die Gründungsarbeiten für den Neubau auf dem weitläufigen Areal der ehemaligen Friedrichstraßen-Passage an der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte voran schreiten, sind Fotos der legendären, 1908 eröffneten,  Passage noch bis zum 4. April in einer Ausstellung in der Fotogalerie des Deutschen Technikmuseums  zu sehen. Die Ausstellung vermittelt einen Eindruck des riesigen Gebäudekomplexes, der einst die Friedrichstraße und die Oranienburger Straße miteinander verband. Zu sehen sind Fotos, die kurz nach der Eröffnung entstanden sind, aus den dreißiger und schließlich aus den frühen neunziger Jahren, als die einzigen verbliebenen Gebäudeteile an der Oranienburger Straße von Künstlern besetzt wurden und das Künstlerhaus Tacheles entstand. Die Fotos, die hier erstmals gezeigt werden, stammen aus dem Historischen Archiv des Technikmuseums. Informationen zur Schau finden sich auf der Website des Technikmuseums, Berichte bei TV Berlin und in der Berliner Zeitung.

12. Oktober 2016 bis 4. April 2017
Deutsches Technikmuseum, Trebbiner Straße 9
Di–Fr 9–17.30, Sa, So 10–18 Uhr, Eintritt 8/5 Euro

Die Sprache der Stasi – Vortrag und Lesung am 28. Februar 2017

Verbergen, Verdecken, Verschlüsseln

Ein Meer an Abkürzungen, endlose Schachtelsätze, bürokratisch-militärische Wortungetüme: Die DDR-Staatssicherheit arbeitete in einer eigenen Sprache. Sie war Ausdruck des Feind- und Weltbildes der Stasi-Mitarbeiter.

Der Sprachwissenschaftler Dr. Steffen Pappert (Universität Duisburg-Essen) analysiert die besonderen Kennzeichen der Sprache in den Stasi-Akten und liefert so neue Einblicke in das System der DDR-Geheimpolizei. Er zeigt, welchen Einfluss Sprache auf die Gesellschaft haben kann und sieht Sprache als ein Spiegel der Funktionsweise des Ministeriums für Staatssicherheit.

Im Anschluss an den ca. 45-minütigen Impulsvortrag sind die Besucher in das Stasi-Unterlagen-Archiv eingeladen. In einem Magazinraum werden Mitarbeiter des Archivs Auszüge aus den Stasi-Akten vorlesen und können zur Struktur und Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit befragt werden.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe “Quelle: Stasi-Unterlagen-Archiv”. Darin erläutern Archivare, Rechercheure und Forscher die Arbeit mit dem Archivgut der DDR-Geheimpolizei. Sie findet jeden letzten Dienstag im Monat statt.

Termin: Dienstag, 28. Februar 2017, 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen: www.BStU.de

Veranstaltungsort:
Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen
Ehemalige Stasi-Zentrale
“Haus 1”, Projektwerkstatt (Raum 418)
Ruschestraße 103
10365 Berlin

Noch freie Plätze beim KBE: Projekte planen und beantragen bei der KEK

Das Kompetenzzentrum Bestandserhaltung bietet am 21. Februar 2017 erneut den Workshop „Projekte planen und beantragen – aktuelle Förderung der KEK“ an. Die Anträge für das aktuelle Förderprogramm 2017 der KEK müssen bis zum 31. März 2017 abgegeben werden. Der Workshop befasst sich daher ganz konkret mit der Planung, der Beantragung und dem Management von Projekten. Eine Expertin des Projektmanagements und die Kolleginnen der KEK helfen, um Projekte zu entwerfen und im besten Fall direkt für eine diesjährige Förderung einzureichen.

Termin: Dienstag,  21.Februar 2017, 9:30 – ca. 16:30 Uhr
Zentral- und Landesbibliothek Berlin, Breite Str. 30-36, 10178 Berlin, Seminarraum 334 (Eingang: Schlossplatz 7, Durchfahrt der Musikhochschule)

Für den Workshop gibt es noch einige freie Plätze. Interessenten melden sich bitte unter kbe@zlb.de an.

Workshop Technische Grundlagen der Digitalisierung

Die Servicestelle Digitalisierung  veranstaltet am 6. März 2017 einen Workshop zu den technischen Grundlagen der Digitalisierung. Ziel der Veranstaltung ist es, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr in die technische Seite der Digitalisierung einzuführen. Dadurch sollen diese in die Lage versetzt werden , die Qualität beauftragter Digitalisierungsdienstleistungen zu bewerten.
Der Workshop findet von 10 bis max. 16 Uhr im Seminarraum des Zuse Institute Berlin, Takustraße 7, 14195 Berlin, Eingang Rundbau, Erdgeschoss, Raum 2006 statt.  Um eine verbindliche Anmeldung bis zum 26.02.2017  über digis@zib.de wird gebeten.

Catalogus Professorum der TU Berlin

CP_TUBAm Freitag, 20.01.2017 wurde der Catalogus Professorum der Technischen Universität Berlin auf dem Neujahrsempfang des Präsidenten der TU Berlin der Öffentlichkeit übergeben. Aufbau und Pflege dieser prosopographischen Datenbank sind Aufgaben des Universitätsarchivs der TU. Es handelt es sich um einen online zugänglichen Katalog aller Professorinnen, Professoren sowie Lehrbeauftragten der TU Berlin einschließlich ihrer Vorgängereinrichtungen. Bisher sind ca. 2500 Personen mit ihren biografischen Eckdaten sowie Angaben zu ihrer Lehrtätigkeit einschließlich ihrer universitären Ämter erfasst. Vollständig enthalten sind die Lehrenden der Bauakademie, der Gewerbeakademie, der Bergakademie sowie der Technischen Hochschule Berlin (Ende 18. Jh. bis 1945). Derzeit wird an der Eingabe der Daten zur TU Berlin für den Zeitraum von 1945 bis 1970 gearbeitet. Ebenfalls enthalten sind Listen zu den Dekanen der TH (1879-1945), zu den Dekanen und Prodekanen der TU (1946/47-aktuell), zu den Rektoren und später Präsidenten der TH bzw. der TU (1879-aktuell) sowie zu den in der NS-Zeit vertriebenen Angehörigen des Lehrkörpers der TH (1933-1945).

Planung und Einrichtung einer solchen Datenbank erfolgte bereits im Jahr 2001 unter der Leitung von Karl Schwarz. Die zugehörige Projektgruppe nahm ihre Tätigkeit 2002/03. Leider ruhte das Projekt zwischenzeitlich über viele Jahre bis es im Universitätsarchiv weitergeführt werden konnte.

Dokumentation der Konferenz “Zugang gestalten!” 2016 online

zugang-gestalten-logoDie Dokumentation der letztjährigen Konferenz “Zugang gestalten!” am 17. und 18. November 2016 im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin ist online. Wer nicht selbst dabei sein konnte, kann sich nun auf der Website der Konferenz einzelne Konferenzbeiträge ansehen oder anhören. Ergänzt wird das Angebot durch Fotos und einen Medienspiegel.
Die nächste Konferenz “Zugang gestalten!” findet am 19. und 20. Oktober 2017 in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main statt.

Entwurf des Bundesarchivgesetzes heute in zweiter und dritter Lesung

Heute nachmittag gegen 16 Uhr wird der Deutsche Bundestag nach zweiter und dritter Lesung über den Gesetzentwurf zur Neuregelung des Bundesarchivrechts abstimmen.  Neben zahlreichen positiven Änderungen enthält der Entwurf auch Passagen, die von zahlreichen Experten wie Historikern, Wissenschaftlern und Archivaren, dem Netzwerk Recherche, den Journalistengewerkschaften DJV und DJU und der Opposition stark kritisiert werden. Erst in den letzten Tagen gab es wieder zahlreiche Äußerungen in den Medien wie der Süddeutschen Zeitung, der FAZ, bei Bild, im Deutschlandradio und im SWR. Neben der Tatsache, dass der Gesetzentwurf in mehreren Punkten hinter die geltenden Landesarchivgesetze zurückfällt, geht es dabei hauptsächlich um die geplante Ausnahmeregelung für Geheimdienste. Diese bräuchten dem Bundesarchiv danach  nur noch Akten zu übergeben, wenn ihrer Meinung nach „zwingende Gründe des nachrichtendienstlichen Quellen- und Methodenschutzes sowie der Schutz der Identität der bei ihnen beschäftigten Personen einer Abgabe nicht entgegenstehen.“

Trotz der starken Kritik auch aus den eigenen Reihen, wie von der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Andrea Voßhoff (CDU), halten CDU/CSU und SPD an an den umstrittenen Passagen im Gesetz fest. Wer die Debatte live verfolgen will, hat dazu im Parlamentsfernsehen ab 15.55 Uhr die Möglichkeit.