Entwurf des Bundesarchivgesetzes heute in zweiter und dritter Lesung

Heute nachmittag gegen 16 Uhr wird der Deutsche Bundestag nach zweiter und dritter Lesung über den Gesetzentwurf zur Neuregelung des Bundesarchivrechts abstimmen.  Neben zahlreichen positiven Änderungen enthält der Entwurf auch Passagen, die von zahlreichen Experten wie Historikern, Wissenschaftlern und Archivaren, dem Netzwerk Recherche, den Journalistengewerkschaften DJV und DJU und der Opposition stark kritisiert werden. Erst in den letzten Tagen gab es wieder zahlreiche Äußerungen in den Medien wie der Süddeutschen Zeitung, der FAZ, bei Bild, im Deutschlandradio und im SWR. Neben der Tatsache, dass der Gesetzentwurf in mehreren Punkten hinter die geltenden Landesarchivgesetze zurückfällt, geht es dabei hauptsächlich um die geplante Ausnahmeregelung für Geheimdienste. Diese bräuchten dem Bundesarchiv danach  nur noch Akten zu übergeben, wenn ihrer Meinung nach „zwingende Gründe des nachrichtendienstlichen Quellen- und Methodenschutzes sowie der Schutz der Identität der bei ihnen beschäftigten Personen einer Abgabe nicht entgegenstehen.“

Trotz der starken Kritik auch aus den eigenen Reihen, wie von der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Andrea Voßhoff (CDU), halten CDU/CSU und SPD an an den umstrittenen Passagen im Gesetz fest. Wer die Debatte live verfolgen will, hat dazu im Parlamentsfernsehen ab 15.55 Uhr die Möglichkeit.

Pünktlich zum Lutherjahr: Bundesarchiv restauriert Lutherfilm von 1927

Auf eine Initiative des Berliner Dompredigers Bruno Doehring und des Evangelischen Bundes zurückgehend, war der 1927 entstandene Stummfilm “Luther” (Buch und Regie: Hans Kyser, in der Hauptrolle: Eugen Klöpfer) bereits zu seiner Zeit heftig umstritten. Aufgrund seiner nationalkonservativen, v.a. aber seiner dezidiert antikatholischen Grundtendenz konnte der Film nur in gekürzter Fassung erscheinen und geriet mit dem Aufkommen des Tonfilms schließlich in Vergessenheit.

Nun hat das Bundesarchiv die Originalfassung rekonstruiert, die am 14.01.2017 in der Berliner Passionskirche zu sehen war. Weitere Aufführungstermine in Berlin sind der 25. März und der 25. Mai (hier freier Eintritt anlässlich des Kirchentags), jeweils in der Berliner Emmauskirche. Die musikalische Neubarbeitung, die live zu hören sein wird, stammt von Stephan von Bothmer.

Einen ausführlichen Beitrag hierzu brachte das Sonntagsblatt in seiner Online-Ausgabe v.17.01.2017.

Werbeprospekt, mit dem die “Zentralstelle für die Schaffung eines Lutherfilms e.V.” um finanzielle Spenden bat.

 

Nachlass von Alexander von Humboldt digitalisiert und online zugänglich

Der Nachlass des Naturforschers und Entdeckers Alexander von Humboldt ist jetzt digitalisiert und online zugänglich. In einem dreijährigen Forschungsprojekt wurden von der Berliner Staatsbibliothek sämtliche Unterlagen in rund 75.000 Bildern digital erfasst. Dazu gehören auch die 2013 angekauften berühmten amerikanischen Tagebücher Humboldts, in denen er während seiner Entdeckungsreise durch Mittel- und Südamerika zwischen 1799 und 1804 auf 4.000 eng beschriebenen Seiten seine Notizen  schrieb.
Das Digitalisierungsprojekt ist eine Kooperation mit der Universität Potsdam. Auch die Biblioteka Jagiellońska in Krakau stellte dafür ihren Teil des Nachlasses zur Verfügung, der etwa die Hälfte aller Materialen umfasst. Diese befinden sich seit der Auslagerung nach Schlesien während des Zweiten Weltkrieges in Polen.
Die Materialien sind auch im Verbundkatalog für Nachlässe und Autographen Kalliope  recherchierbar.
Am 17. und 18. Januar wird das Projekt in einer Abschlusskonferenz in Berlin vorgestellt.

 

Veranstaltung in der BStU: Recherche für einen Dokumentarfilm

DVD_Im Namen_außen.inddBluesmessen in Ost-Berlin, kritische Liedermacher und Punk-Konzerte unter dem schützenden Dach der Kirche – der Film „Im Namen des Herrn – Kirche, Pop und Sozialismus“ (2013) geht der Frage nach,  wie weit Popmusik und Kirche in der DDR verflochten waren. Der Film basiert ganz wesentlich auf Recherchen im Stasi-Unterlagen-Archiv.
Am Dienstag, den 31. Januar 2017, um 18.00 Uhr spricht Dagmar Hovestädt (BStU) mit dem Dokumentarfilmer Tom Franke (armadaFilm) über den Weg von der Antragsstellung über die Recherche zum fertigen Film.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe “Quelle: Stasi-Unterlagen-Archiv”. Darin erläutern Archivare, Rechercheure und Forscher die Arbeit mit dem Archivgut der DDR-Geheimpolizei.
Veranstaltungsort: Ehemalige Stasi-Zentrale, Ruschestraße 103, 10365 Berlin. Der Eintritt ist frei. Der Film ist auch auf DVD erschienen und kann bei der Stiftung Aufarbeitung erworben werden.

Ehemaliger Fluchthelfer übergibt Vorlass an die Stiftung Aufarbeitung

Dr. Burkhart Veigel, der ca. 650 DDR-Bürgern zur Flucht in den Westen verhalf, übergibt seinen Vorlass an die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, wie die BZ v. 05.01.2017 berichtet. Bereits 2016 erhielt das Archiv der Stiftung  ca. 4 lfd. Meter Unterlagen aus dem privaten Vorlass Veigels, die bereits erschlossen sind und Einblick in seine Tätigkeit als Fluchthelfer und Autor gewähren. Zudem stiftet Veigel einen Freiheitspreis aus seinem Privatvermögen.

Berliner Forscher legen Archiv zu syrischen Kulturstätten an

Gemeinsam mit syrischen Experten erstellen deutsche Wissenschaftler derzeit eine Datenbank, in der die kriegsbedingten Schäden in Aleppo systematisch erfasst werden. Das Projekt wird von der Gerda Henkel Stiftung gefördert und baut auf einer Archivdatenbank auf, die seit 2013 mit Hilfe des Auswärtigen Amts am Museum für Islamische Kunst und am Deutschen Archäologischen Institut entsteht. In diesem „Syrian Heritage Archive Project“ sind inzwischen über 150.000 Dokumente, Karten, Fotografien und Zeichnungen zu syrischen Kulturstätten digital erfasst, die auch bald online zugänglich sein sollen. Weitere Einzelheiten kann man einem Bericht des Tagesspiegel entnehmen.

Erste Ausgabe der Berliner Archivrundschau erschienen

icon Die erste Ausgabe des neuen Online-Magazins Berliner Archivrundschau ist erschienen. Damit bietet der Landesverband Berlin im VdA eine weitere Kommunikationsplattform für die Berliner Archivarinnen und Archivare an, aber auch für alle anderen am Archivwesen Interessierten. Ein Brückenschlag zu den anderen Kulturerbeinstitutionen ist ausdrücklich erwünscht.

Die Berliner Archivrundschau berichtet von nun an ein- bis zweimal im Jahr über die neuesten archivrelevanten Ereignisse und Entwicklungen in Berlin, bespricht aktuelle Themen und kündigt wichtige Termine an. Das Magazin ist als Online-Medium konzipiert. Es kann hier im Blog (www.berlinerarchive.de/archivrundschau) oder auf der Seite des Landesverbands auf der VdA-Website gelesen oder als PDF heruntergeladen werden.

Die Berliner Archivrundschau will informieren, interessieren und anstoßen. Es ist ein Angebot zum Austausch – Vorschläge und Anregungen sind daher herzlich willkommen. Texte und Fotos nimmt die Redaktion gern entgegen: lv-berlin@vda.archiv.net oder auch das Kontaktformular des Blogs. Wir sind gespannt auf Ihre Meinung!

Berlin lebt auf — Fotos von Eva Kemlein in der Neuen Synagoge

blog-eva-kemlein“Berlin lebt auf!” lautete die Schlagzeile der ersten Ausgabe der Berliner Zeitung am 21. Mai 1945. Das traf auch auf Eva Kemlein zu, deren Fotos damals in der Berliner Zeitung veröffentlicht wurden. Die letzten Kriegsjahre hatte sie im Unter-grund, zuletzt in einem Schöneberger Keller, überlebt. Bereits zuvor hatte sie fotografiert, aber jetzt  wurde sie zur  Chronistin der Berliner Nachkriegszeit. Ihre Bilder aus dem zerstörten Berlin, ihre Porträts der Überlebenden prägten das Gedächtnis der Nachkriegszeit. Ihr meistfotografiertes Motiv war das Berliner Stadtschloss bis zu seiner Sprengung 1950. Berlin lebt auf — Fotos von Eva Kemlein in der Neuen Synagoge weiterlesen

Neuerscheinung mit Aufsätzen von Lorenz Friedrich Beck

Seit einiger Zeit schon auf dem Buchmarkt erhältlich, soll an dieser Stelle dennoch auf die Sammlung von Aufsätzen des 2013 verstorbenen Direktors des Archivs der Max-Planck-Gesellschaft hingewiesen werden. Das von Peter Bahl herausgegebene Werk beinhaltet v.a. landesgeschichtliche Beiträge und Arbeiten zu Historischen Hilfswissenschaften, insbesondere der Aktenkunde. Holger Berwinkel stellt die Publikation ausführlich in seinem Blog “Aktenkunde” vor.