Rückblick: Der Tag der Archive im Archiv des Katholischen Militärbischofs

„Schwanengesang des Feldgeneralvikars“ lautete der Titel eines etwas ungewöhnlichen Vortrags zum Tag der Archive am 7. März 2020 im Archiv des Katholischen Militärbischofs. Zu Wort kam dabei zunächst einmal Prälat Georg Werthmann (1898 – 1980), und zwar in Form einer digitalisierten und mit Fotos unterlegten Tonbandaufnahme aus dem Jahr 1962. Werthmann erläuterte dabei seinen Werdegang als Militärseelsorger und Feldgeneralvikar in der Wehrmacht. Ausführungen der Historiker Dagmar Pöpping und Winfried Heinemann ordneten dieses Archivdokument in einen größeren Zusammenhang ein, wobei auch deutlich wurde, was in Werthmanns Rede nicht zur Sprache kam. Abgerundet wurde das Programm durch zwei Führungen durch die Magazin- und Ausstellungsräume des Archivs mit einem Schwerpunkt auf Feldpostbriefen vom Ersten Weltkrieg bis zum Kosovo-Konflikt.

Markus Seemann

Rückblick: Der Tag der Archive im Geheimen Staatsarchiv

Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem beteiligte sich auch in diesem Jahr wieder an der bundesweiten Aktion „TAG DER ARCHIVE“. 256 interessierte Besucher und Besucherinnen nutzten – trotz der sich anbahnenden Coronakrise – die Gelegenheit, bei den halbstündlich angebotenen Archivführungen auch mal hinter die Kulissen des Archivs zu schauen. Reges Interesse fanden zudem die Lesungen aus Briefen von Alexander von Humboldt und Heinrich von Kleist, die Veranstaltung zur Ver- und Entschlüsselung von Nachrichten im diplomatischen Schriftverkehr sowie die ständigen Anlaufstationen, an denen sich die Gäste über die Einführung in die Recherche sowie über die Restaurierung von Archivalien informieren konnten, ebenso die Präsentation der Wappendarstellungen des HEROLD, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften.

Constanze Krause

Rückblick: Der Tag der Archive im Politischen Archiv

Besuch in der Restaurierungswerkstatt
Foto: Auswärtiges Amt

Erstmals nahm in diesem Jahr das Politische Archiv des Auswärtigen Amts am deutschlandweiten Tag der Archive teil. Für die Archivarinnen und Archivare wie auch für die über 100 Gäste war es eine gelungene Veranstaltung. Während der sechs Führungen besichtigte das Publikum die Tresore der ehemaligen Reichsbank, die heute als Magazinräume für die fachgerechte Lagerung der Archivalien genutzt werden, und gewann anhand verschiedener Dokumente Einblicke in die Bestände des Archivs und dessen Aufgaben. Anschließend stellten die Kolleginnen und Kollegen in der Werkstatt anhand üblicher Arbeitsabläufe ausgewählte Techniken der Papierrestaurierung vor. Im Lesesaal berieten Archivarinnen und Archivare zur Recherche in den Beständen des Politischen Archivs sowie zur Geschichte der Hand- und Druckschriften, die durch eigene Schreibübungen erprobt werden konnten.

Eintrag im Gästebuch
Foto: Auswärtiges Amt

Sie stellten anhand von Originalakten verschiedene Dokumententypen wie Depeschen, Erlasse, Berichte und Noten vor und boten dabei Gelegenheit, ausgiebig in den zugehörigen Akten zu lesen. Kinder konnten eigene Diplomatenpässe ausstellen und mit ihren Eltern bilaterale Verträge abschließen oder Buttons gestalten. Aufgrund der positiven Resonanz ist es sehr wahrscheinlich, dass sich das Politische Archiv auch in zwei Jahren wieder am Tag der Archive beteiligt.

Online-Recherche in Berliner Archiven

Mit der Schließung der Lesesaäle der Berliner Archive wird die Frage noch interessanter,  wie in den Beständen weiter recherchiert werden kann. Für die Online-Recherche gibt es mehrere Möglichkeiten: Die eigene Website, Archivportal Europa, Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Archivportal D, findbuch.net sowie weitere Portale.

Angebote auf ihren eigenen Internetseiten machen z. B.
– Archiv der Akademie der Künste
– Archiv der DDR-Opposition
– Archiv der Max-Planck-Gesellschaft
– Berlinische Galerie
– Bundesarchiv
– BStU
Hier kann man direkt in den jeweiligen Datenbanken recherchieren, Fundstellenlisten generieren oder Findbücher herunterladen.

Beim Archivportal D sind die meisten Berliner Archive gelistet, nämlich 85. Doch nur selten gehen die Angebote über einen bloßen Verweis auf die jeweilige Website hinaus. Manch ein Link oder auch andere Angaben zu den Archiven erscheinen veraltet. Besser sieht es dagegen im Archivportal Europa aus. Hier sind zwar nur 9 Berliner Archive vertreten:
– Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW)
– Politisches Archiv des Auswärtigen Amts
– Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
– Landesarchiv Berlin
– BStU
– Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA)
– Bundesarchiv
– die Uniarchive von FU und TU.
Aber bis auf die Uniarchive, bei denen nur die Adressen vermerkt sind, bieten alle anderen ihre Bestandsübersichten an sowie das Landesarchiv und das Archiv der BBAW einige, BStU, Bundesarchiv und GStA dagegen mehrere hundert Findbücher an.

Auf der Seite www.findbuch.net, einem Angebot der Software-Firma Augias, haben sechs Institutionen Findbücher bereit gestellt:
– Domarchiv
– Archiv für Diakonie und Entwicklung
– Archiv der BBAW
– Uniarchiv der HU
– Archiv der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum
– Historisches Archiv der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin.

Fazit: Es gibt viele Recherchevarianten, aber keinen einheitlichen Zugang. Die großen Archive sind fast alle dabei, aber letztlich bieten von knapp 150 Berliner Archiven nicht einmal 25 Prozent eine Möglichkeit, in ihren Beständen zu recherchieren.

Berliner Archive während der Corona-Pandemie

Seit mittlerweile zwei Wochen sind die Lesesaäle der Berliner Archive geschlossen und damit eine direkte Benutzung  ihrer Archivalien nicht mehr möglich. In vielen Häusern wurde das Personal teilweise ins Home Office geschickt bzw. strenge Zugangsregelungen eingeführt, damit nur eine geringe Zahl von Mitabeiterinnen oder Mitarbeitern gleichzeitig anwesend sind.

Wie gehen die Archive nun mit dieser ungewohnten Situation um? Ist eine Nutzung weiter möglich und wie wird mit Anfragen verfahren? Wird das digitale und collaborative Arbeiten einen Aufschwung erleben? Diesen Fragen soll in den nächsten Tagen in loser Folge an dieser Stelle nachgegangen werden. Berichte uas den einzelnen Häusern sind sehr willkommen.

In Gefahr: das Kurt-Schwaen-Archiv

Kurt Schwaen (1909-2007) gehört zu den bekanntesten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Als Korrepetitor begleitete er u.a. Mary Wigman und Ernst Busch. Aus der Zusammenarbeit mit Bert Brecht entstand das Lehrstück “Die Horatier und die Kuriatier”. Eine intensive künstlerische Beziehung zu Günter Kunert führte zur Vertonung vieler seiner Gedichte. Darüber hinaus bestanden Beziehungen zu Hanns Eisler, Paul Dessau, Emil Stumpp, Werner Klemke und vielen anderen. Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt dabei auf Musik für Kinder. Die Kantate “König Midas” ist wohl sein bedeutendstes Werk. Weniger bekannt ist dagegen seine Arbeit für die DEFA.

Sein umfangreicher Nachlass befindet sich im Kurt-Schwaen-Archiv in Berlin-Mahlsdorf, das von Ina Iske-Schwaen wissenschaftlich aufbereitet und betreut wird. Nun macht sich die Witwe des Komponisten Sorgen um die Zukunft des Archivs, wie die Stadtteilzeitung “Die Hellersdorfer” berichtet. Ob das Biesdorfer Schloss der geeignete Ort für die dauerhafte Sicherung der Überlieferung ist?

Nutzung sozialer Medien (auch) durch Archive

Viele Archive nutzen soziale Medien für ihre Außendarstellung. Die Nutzung sozialer Netzwerke durch öffentliche Stellen ist jedoch aus datenschutzrechtlicher Sicht umstritten. Einige Landesdatenschutzbeauftragte haben sogar empfohlen, dass sich öffentliche Behörden aus sozialen Medien zurückziehen. Nunmehr hat der Landesdatenschutzbeauftragte von Baden-Württemberg „wesentliche Anforderungen an die behördliche Nutzung sozialer Netzwerke“ vorgestellt: https://www.baden-wuerttemberg.datenschutz.de/lfdi-stellt-wesentliche-anforderungen-an-die-behoerdliche-nutzung-sozialer-netzwerke-klar/

Fünfzehn Berliner Archive beim Tag der Archive am 7. und 8. März 2020 dabei

Briefe von Franz Kafka an Paul Kisch, 1902/1903 © Foto: Erik-Jan Ouwerkerk

Fünfzehn Berliner Archive öffnen anläßlich des 10. Tages der Archive am 7. und 8. März 2020 außerhalb der sonst üblichen Öffnungszeiten ihre Türen und laden die interessierte Öffentlichkeit zu einem einmaligen Blick hinter ihre Kulissen ein. Ein spannendes Programm mit Vorträgen, Filmen und Gesprächen sowie Führungen durch Magazine, Lesesäle und Werkstätten offenbart Geheimnisse des Forschens und Sammelns. Archivarinnen und Archivare stellen die Besonderheiten ihrer Häuser vor und präsentieren einzigartige Dokumente.

Archivmagazin in einem ehemaligen Tresorraum, Foto: Alexandra Willkommen

Diese Archive öffnen an diesem Tag:
– Geheimes Staatsarchiv PK
– Archiv der Akademie der Künste
– Landesarchiv Berlin
– Archiv des Jüdischen Museums
– Archiv des Katholischen Militärbischofs
– Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv
– Bundesarchiv, Abteilung PA
– BStU (Stasi-Unterlagen-Archiv)
– Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich-Boell-Stiftung
– Archiv der DDR-Opposition (Archiv der Robert-Havemann-Gesellschaft)
– Politisches Archiv des Auswärtigen Amts
– Archiv des Stadtgeschichtlichen Museums Spandau
– Abteilung Dokumentation und Archive des Deutschlandradio
– Archiv der Museen Tempelhof-Schöneberg
– Friedrichshain Kreuzberg Museum.

Wo ist meine Akte?

Unter diesem Titel findet am 15. Januar 2020, um 18.30 Uhr in der Stasi-Zentrale, Ruschestr.103, eine Podiumsdiskussion mit den Zeitzeugen Gabriele Stötzer, Stephan Konopatzky und dem Historiker Dr. Roger Engelmann statt, die die Kontroversen über den Umgang mit den Stasi-Unterlagen behandelt, als vor 30 Jahren das Gelände an der Normannenstraße besetzt wurde. Der Eintritt ist frei.

Das Rahmenprogramm beginnt bereits um 11.00 Uhr mit einem Tag der offenen Tür im Stasimuseum, Führungen über das Gelände, Filmvorführungen u.v.a.

Veranstaltungshinweis des BStU:

https://www.bstu.de/ueber-uns/termin/wo-ist-meine-akte-berlin-15-01-2020/