Öffnung der Lesesäle in Berliner Archiven während der Corona-Pandemie

Inzwischen haben die meisten Bundesländer eine Wiederöffnung der Archivlesesäle gestattet. Der Berliner Senat bleibt dagegen noch zurückhaltend. In seiner letzten Anordnung vom 21. April 2020 hat er ab dem 27. April 2020 für Archive lediglich den Leihbetrieb zugelassen, was für die meisten Archive allerdings gegenstandslos ist.
Dennoch wird in den Archiven an entsprechenden Konzepten für eine Öffnung gearbeitet. Als Hilfe für die Erstellung solcher Konzepte sollen hier erste Hinweise gegeben werden. Natürlich hängt es immer auch von den jeweiligen räumlichen und personellen Gegebenheiten ab. Die Übersicht kann gern ergänzt werden!

Folgende Voraussetzungen sollten gegeben sein:
– Lesesaalnutzung nur nach bestätigter Voranmeldung.
– Beschränkung der Anzahl der Arbeitsplätze im Lesesaal. Die Abstände zwischen den Arbeitsplätzen sollten mind. 2-3 Meter betragen.
– Ggf. können pro Person Zeitfenster eingerichtet werden (z. B. maximal zwei bis vier Stunden), damit nicht die gleichen Personen über längere Zeit gemeinsam in einem Raum verweilen.
– Anpassung der Verkehrswegen (Treppen, Gänge, Aufzüge). Ggf. kann man gesonderte Zugänge für die Nutzenden einrichten.
– Die Nutzenden bekommen ihre Plätze zugewiesen.
– Das Archivgut liegt vorher bereit.
– Einzelzugang zu den Garderoben.
– Keine persönlichen Beratungsgespräche.
– Mund- und Nasenschutzpflicht für den Lesesaaldienst. Ggf. Spuckschutz für die Lesaalaufsicht installieren oder einen entsprechende Abstand am Tresen gewährleisten.
– Regelmäßig lüften.
– Nach der Nutzung werden vom Benutzersaaldienst o. ä. die Rechercheplätze (PC) und Arbeitstische desinfiziert.
– Ständige Mund- und Nasenschutzpflicht für die Nutzenden. Diese haben einen Mund-Nasenschutz mitzubringen.
– Die Nutzenden haben eigenes Arbeitsgerät mitzubringen, auch Papier und Bleistift.
– Die Abstandsregeln sind unbedingt einzuhalten. Keine Gespräche mit anderen Nutzerinnen und Nutzern.
– Nutzung nur durch Einzelpersonen.

Ggf. kann man die Anmeldeliste priorisieren für Nutzungen wie z. B.
– Abschlussarbeiten,
– terminierte Publikationen,
– dringende Rechtsfragen.

Rückblick: Der Tag der Archive im BBWA

Im Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchiv (BBWA) haben wir uns vor allem über die Kommunikation mit mehr als 50 Gästen gefreut, die sich unsere Ausstellung zum Thema „Veränderungen der Korrespondenz der Wirtschaft in einem Jahrhundert“ angesehen haben.
Die Kommunikationsgeschichte von 1900 bis 1965 haben wir am Beispiel der Schokoladenfabrik Theodor Hildebrand & Sohn aufgezeigt. Dazu wurden u. a. Berliner Adress- und Telefonbücher mit den Einträgen des Unternehmens sowie Briefköpfe mit Fabrikdarstellungen, Sammelbilder, ein Telegramm und den Namenszug „Hildebrand“ (Schriftmarke) in seinen verschiedenen Abwandlungen über die Jahrzehnte gezeigt.
Begeistert war das Publikum auch von der Briefkopfsammlung des Archivs, aus der die schönsten Beispiele zu sehen waren, und die bunte Vielfalt der Werbe- und Reklamemarken. Beides – Briefkopf/Logo und Reklame – sind wohlüberlegte Kommunikationsmittel des Unternehmens.
Ein Lieblingsthema waren die ausgestellten Wurfsendungen des Lieferunternehmens „Call a Pizza“, die das Publikum durch unterschiedliche Farbigkeit und Design überraschten. Die ältesten Exemplare, die sich in in der Werbemittelsammlung des Archivs befinden, stammen aus dem Jahr 1988. Am Anfang mussten die Wurfsendungen noch erklären, wie das so geht mit dem Pizza-Bestellen!
Die Verbindung zwischen den drei Archiven am Eichborndamm wurde mit den vom Wirtschaftsarchiv angebotenen Führungen über das Gelände der ehemaligen Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik (DWM) sichtbar gemacht. Die Tour begann am Landesarchiv und hatte als weitere Stationen das BBWA und das Bundesarchiv (PA).
Weitere Informationen gibt es im Blog des BBWA: Archivspiegel.

Tania Estler-Ziegler

Rückblick: Der Tag der Archive im Stasi-Unterlagen-Archiv

Im Stasi-Unterlagen-Archiv stand der Tag unter der Überschrift “Überwachte Kommunikation”. Briefe abfangen, Telefonate abhören, Spitzel einsetzen: Die breite Überwachung von vor allem privater Kommunikation diente der DDR-Staatssicherheit als wichtige Informationsquelle. Auf Millionen Karteikarten speicherte die Stasi diese Informationen für einen schnellen Austausch im Apparat. Um mehr über Geschichte, Funktion und Nutzungsmöglichkeiten dieses Archivs zu erfahren, kamen mehrere hundert Interessierte am 7. und 8. März nach Berlin-Lichtenberg.
Viele nutzten viele die Gelegenheit auch zum Austausch mit Mitarbeitenden des Archivs. Bei Vorträgen ging es unter anderem um Recherchemöglichkeiten und Digitalisierung. Auch die manuelle Rekonstruktion von zerrissenen Unterlagen ließ sich besichtigen. Der Bundesbeauftragte Roland Jahn beantwortete Fragen zu Erkenntnissen aus den Akten, zur Zukunft des Stasi-Unterlagen-Archivs und der Entwicklung der ehemaligen Stasi-Zentrale zu einem Campus für Demokratie.
Neben den Führungen durch die Archivausstellung “Einblick ins Geheime” nutzten Besucherinnen und Besucher auch die Sammlung von Beispielakten, in denen sich komplette Vorgänge der Stasi nachlesen lassen.
Parallel hatte auch das Archiv der DDR-Opposition der Robert-Havemann-Gesellschaft sein Archiv geöffnet, das ebenfalls auf dem Campus angesiedelt ist – für viele eine spannende Ergänzung.

Rückblick: Der Tag der Archive im Archiv des Stadtgeschichtlichen Museums Spandau

In diesem Jahr öffnete das Archiv des Stadtgeschichtlichen Museums Spandau zum ersten Mal am Tag der Archive seine Türen für interessierte Besucherinnen und Besucher.
Im Lesesaal konnten ausgewählte Unterlagen aus den Beständen Bibliothek, Magistratsakten, Familiennachlässe, Fotosammlung, Plan- und Kartensammlung, sowie Zeitungssammlung eingesehen werden. Im Treppenhaus gab es diverse Fotos zu sehen, zu denen das Archiv kaum oder keine Informationen hatte. Besucherinnen und Besucher, die Hinweise zu diesen Abbildungen geben konnten, trugen diese in einen ausliegenden Ordner ein und lieferten damit mögliche Metadaten und Kontext für die Erschließung.
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Rückblick: Der Tag der Archive im Archiv des Katholischen Militärbischofs

„Schwanengesang des Feldgeneralvikars“ lautete der Titel eines etwas ungewöhnlichen Vortrags zum Tag der Archive am 7. März 2020 im Archiv des Katholischen Militärbischofs. Zu Wort kam dabei zunächst einmal Prälat Georg Werthmann (1898 – 1980), und zwar in Form einer digitalisierten und mit Fotos unterlegten Tonbandaufnahme aus dem Jahr 1962. Werthmann erläuterte dabei seinen Werdegang als Militärseelsorger und Feldgeneralvikar in der Wehrmacht. Ausführungen der Historiker Dagmar Pöpping und Winfried Heinemann ordneten dieses Archivdokument in einen größeren Zusammenhang ein, wobei auch deutlich wurde, was in Werthmanns Rede nicht zur Sprache kam. Abgerundet wurde das Programm durch zwei Führungen durch die Magazin- und Ausstellungsräume des Archivs mit einem Schwerpunkt auf Feldpostbriefen vom Ersten Weltkrieg bis zum Kosovo-Konflikt.

Markus Seemann

Rückblick: Der Tag der Archive im Geheimen Staatsarchiv

Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem beteiligte sich auch in diesem Jahr wieder an der bundesweiten Aktion „TAG DER ARCHIVE“. 256 interessierte Besucher und Besucherinnen nutzten – trotz der sich anbahnenden Coronakrise – die Gelegenheit, bei den halbstündlich angebotenen Archivführungen auch mal hinter die Kulissen des Archivs zu schauen. Reges Interesse fanden zudem die Lesungen aus Briefen von Alexander von Humboldt und Heinrich von Kleist, die Veranstaltung zur Ver- und Entschlüsselung von Nachrichten im diplomatischen Schriftverkehr sowie die ständigen Anlaufstationen, an denen sich die Gäste über die Einführung in die Recherche sowie über die Restaurierung von Archivalien informieren konnten, ebenso die Präsentation der Wappendarstellungen des HEROLD, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften.

Constanze Krause

Rückblick: Der Tag der Archive im Politischen Archiv

Besuch in der Restaurierungswerkstatt
Foto: Auswärtiges Amt

Erstmals nahm in diesem Jahr das Politische Archiv des Auswärtigen Amts am deutschlandweiten Tag der Archive teil. Für die Archivarinnen und Archivare wie auch für die über 100 Gäste war es eine gelungene Veranstaltung. Während der sechs Führungen besichtigte das Publikum die Tresore der ehemaligen Reichsbank, die heute als Magazinräume für die fachgerechte Lagerung der Archivalien genutzt werden, und gewann anhand verschiedener Dokumente Einblicke in die Bestände des Archivs und dessen Aufgaben. Anschließend stellten die Kolleginnen und Kollegen in der Werkstatt anhand üblicher Arbeitsabläufe ausgewählte Techniken der Papierrestaurierung vor. Im Lesesaal berieten Archivarinnen und Archivare zur Recherche in den Beständen des Politischen Archivs sowie zur Geschichte der Hand- und Druckschriften, die durch eigene Schreibübungen erprobt werden konnten.

Eintrag im Gästebuch
Foto: Auswärtiges Amt

Sie stellten anhand von Originalakten verschiedene Dokumententypen wie Depeschen, Erlasse, Berichte und Noten vor und boten dabei Gelegenheit, ausgiebig in den zugehörigen Akten zu lesen. Kinder konnten eigene Diplomatenpässe ausstellen und mit ihren Eltern bilaterale Verträge abschließen oder Buttons gestalten. Aufgrund der positiven Resonanz ist es sehr wahrscheinlich, dass sich das Politische Archiv auch in zwei Jahren wieder am Tag der Archive beteiligt.

Online-Recherche in Berliner Archiven

Mit der Schließung der Lesesaäle der Berliner Archive wird die Frage noch interessanter,  wie in den Beständen weiter recherchiert werden kann. Für die Online-Recherche gibt es mehrere Möglichkeiten: Die eigene Website, Archivportal Europa, Deutsche Digitale Bibliothek bzw. Archivportal D, findbuch.net sowie weitere Portale.

Angebote auf ihren eigenen Internetseiten machen z. B.
– Archiv der Akademie der Künste
– Archiv der DDR-Opposition
– Archiv der Max-Planck-Gesellschaft
– Berlinische Galerie
– Bundesarchiv
– BStU
Hier kann man direkt in den jeweiligen Datenbanken recherchieren, Fundstellenlisten generieren oder Findbücher herunterladen.

Beim Archivportal D sind die meisten Berliner Archive gelistet, nämlich 85. Doch nur selten gehen die Angebote über einen bloßen Verweis auf die jeweilige Website hinaus. Manch ein Link oder auch andere Angaben zu den Archiven erscheinen veraltet. Besser sieht es dagegen im Archivportal Europa aus. Hier sind zwar nur 9 Berliner Archive vertreten:
– Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW)
– Politisches Archiv des Auswärtigen Amts
– Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich-Böll-Stiftung e.V.
– Landesarchiv Berlin
– BStU
– Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (GStA)
– Bundesarchiv
– die Uniarchive von FU und TU.
Aber bis auf die Uniarchive, bei denen nur die Adressen vermerkt sind, bieten alle anderen ihre Bestandsübersichten an sowie das Landesarchiv und das Archiv der BBAW einige, BStU, Bundesarchiv und GStA dagegen mehrere hundert Findbücher an.

Auf der Seite www.findbuch.net, einem Angebot der Software-Firma Augias, haben sechs Institutionen Findbücher bereit gestellt:
– Domarchiv
– Archiv für Diakonie und Entwicklung
– Archiv der BBAW
– Uniarchiv der HU
– Archiv der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum
– Historisches Archiv der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin.

Fazit: Es gibt viele Recherchevarianten, aber keinen einheitlichen Zugang. Die großen Archive sind fast alle dabei, aber letztlich bieten von knapp 150 Berliner Archiven nicht einmal 25 Prozent eine Möglichkeit, in ihren Beständen zu recherchieren.

Berliner Archive während der Corona-Pandemie

Seit mittlerweile zwei Wochen sind die Lesesaäle der Berliner Archive geschlossen und damit eine direkte Benutzung  ihrer Archivalien nicht mehr möglich. In vielen Häusern wurde das Personal teilweise ins Home Office geschickt bzw. strenge Zugangsregelungen eingeführt, damit nur eine geringe Zahl von Mitabeiterinnen oder Mitarbeitern gleichzeitig anwesend sind.

Wie gehen die Archive nun mit dieser ungewohnten Situation um? Ist eine Nutzung weiter möglich und wie wird mit Anfragen verfahren? Wird das digitale und collaborative Arbeiten einen Aufschwung erleben? Diesen Fragen soll in den nächsten Tagen in loser Folge an dieser Stelle nachgegangen werden. Berichte uas den einzelnen Häusern sind sehr willkommen.

In Gefahr: das Kurt-Schwaen-Archiv

Kurt Schwaen (1909-2007) gehört zu den bekanntesten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Als Korrepetitor begleitete er u.a. Mary Wigman und Ernst Busch. Aus der Zusammenarbeit mit Bert Brecht entstand das Lehrstück “Die Horatier und die Kuriatier”. Eine intensive künstlerische Beziehung zu Günter Kunert führte zur Vertonung vieler seiner Gedichte. Darüber hinaus bestanden Beziehungen zu Hanns Eisler, Paul Dessau, Emil Stumpp, Werner Klemke und vielen anderen. Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt dabei auf Musik für Kinder. Die Kantate “König Midas” ist wohl sein bedeutendstes Werk. Weniger bekannt ist dagegen seine Arbeit für die DEFA.

Sein umfangreicher Nachlass befindet sich im Kurt-Schwaen-Archiv in Berlin-Mahlsdorf, das von Ina Iske-Schwaen wissenschaftlich aufbereitet und betreut wird. Nun macht sich die Witwe des Komponisten Sorgen um die Zukunft des Archivs, wie die Stadtteilzeitung “Die Hellersdorfer” berichtet. Ob das Biesdorfer Schloss der geeignete Ort für die dauerhafte Sicherung der Überlieferung ist?