Alle Beiträge von Torsten Musial

Stasi-Unterlagen kommen ins Bundesarchiv

Roland Jahn, Wolfgang Schäuble, Michael Hollmann  Foto: BStU

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU) Roland Jahn und der Präsident des Bundesarchivs Michael Hollmann haben gestern, anlässlich der Übergabe des 14. Tätigkeitsberichts zur Arbeit der BStU an den Bundestag, ein Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen vorgelegt.  Das sind die zentralen Punkte:
– die Stasi-Unterlagen werden in das Bundesarchivs integriert,
– das Amt des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen wird abgeschafft,
– am bisherigen Standort des Stasi-Unterlagen-Archivs in Berlin-Lichtenberg entsteht ein Kompetenzzentrum zum Erhalt der Unterlagen mit Werkstätten zur Restaurierung und Digitalisierung,
– dieses Zentrum soll Teil eines Archivzentrums zur SED-Diktatur werden,
– in das neue Archivzentrum werden auch die Unterlagen der Bestände der zentralen DDR-Behörden und der Stiftung Parteien und Massenorganisationen in der DDR (SAPMO) des Bundesarchivs untergebracht, die bislang in Berlin-Lichterfelde lagern,
– die bislang zwölf Außenstellen der Stasi-Unterlagenbehörde werden auf je einen Archivstandort pro Bundesland reduziert, für die entsprechende Gebäude neu oder umgebaut werden.  Information, Beratung, Antragstellung und Akteneinsicht sollen an den anderen Standorten aber weiterhin möglich sein.
Das Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen soll in den nächsten Monaten in den Facharbeitsgruppen der unterschiedlichen Bundestagsfraktionen und innerhalb der Regierungskoalition beraten werden. Zudem ist im Ausschuss für Kultur und Medien in den kommenden Monaten eine ausführliche Vorstellung und Beratung des Konzeptes geplant. Wann die einzelnen Punkte umgesetzt werden, ist allerdings noch fraglich.

Archiv für Roma-Kultur geht online


Screenshot

Heute Abend wird Homepage romarchive.eu freigeschaltet. Das neue Portal soll  die vielfältige Kunst und Kultur der Sinti und Roma und ihren Einfluss auf die europäische Kulturgeschichte sichtbar machen Auf Deutsch, Englisch und Romanes werden knapp 5.000 Objekte präsentiert: historische Dokumente, Zeitzeugeninterviews von Holocaust-Überlebenden, Interviews mit Ikonen der mencomusik. Bis zur Freischaltung kann man noch den entsprechenden und sehr informativen Blog besuchen.
Die Idee dafür entstand übrigens nach der Eröffnung des Denkmals für die ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin 2012. Unterstützt von der Kulturstiftung des Bundes ist ein virtuelles Archiv und Museum entstanden.
Zum Start von RomArchive veranstaltet die Berliner Akademie der Künste ein viertägiges interdisziplinäres Festival. Heute Abend z. B. mit einem Konzert der Gypsy-Band Kal aus Belgrad. Hingehen lohnt sich unbedingt. Programm hier und hier.
Hier noch einige links zu aktuellen Berichten:
Berliner Zeitung
Deutsche Welle
Tagesspiegel
Deutschlandfunk

Archiv für alternatives Schrifttum in Duisburg bedroht

Das Archiv für alternatives Schrifttum in Duisburg (afas) ist massiv bedroht. Da dieser Vorgang und das große politische und mediale Echo auch für Berliner Archive wichtig und interessant ist, sei an dieser Stelle kurz darüber berichtet.

Das afas, gegründet 1986, ist mittlerweile das größte Freie Archiv für Materialien der Neuen Sozialen Bewegungen. Nach jahrelangem Kampf um eine ausreichende und dauerhafte Finanzierung sowie archivgerechte Räumlichkeiten konnte es 2017 dank finanzieller Unterstützung durch das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Duisburg adäquate neue Räume mit ausreichendem Platz, aber auch höheren Kosten, in der Duisburger Innenstadt beziehen und erhielt für 2018 und 2019 vom Land Haushaltsmittel bewilligt. Kürzlich beschloss jedoch der Haushaltsausschuss des Landtags, die Mittel für 2019 wieder zu streichen.

Der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) hat am 5. Dezember einen Offenen Brief an die Landesregierung und alle Landtagsabgeordneten geschrieben und um Rücknahme dieses Beschlusses in der 3. Lesung des Haushalts am 12. Dezember gebeten. Zahlreiche prominente Unterstützerinnen und Unterstützer haben diesen Brief mit gezeichnet. Eine große Zahl weiterer Unterstützer haben sich ebenfalls an die Landtagsfraktionen gewandt. Insbesondere der Leiter des afas Jürgen Bacia mobilisierte auch die Öffentlichkeit. Das mediale Echo war sehr groß, u. a. im Deutschlandfunk, WDR, FAZ und WAZ. Inzwischen ist der Beschluss zurück genommen worden und das afas wird 2019 weiter gefördert. Allerdings bedeutet dies noch nichts für 2020!

Fazit: Der Einsatz hat sich gelohnt. Schade nur, dass sich Politik und Medien eher in Krisen mobilisieren lassen.

Weiterbildung „Archive im Informationszeitalter” beginnt wieder im Januar 2019

Am 24. Januar 2019 wird das gemeinsam von der Fachhochschule Potsdam und der Freien Universität Berlin veranstaltete Weiterbildungsprogramm “Archive im Informationszeitalter” fortgesetzt. Der Kurs richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Archiven und verwandten Einrichtungen.
In insgesamt zehn Modulen vermitteln Lehrende der beteiligten Hochschulen sowie ausgewiesene Expertinnen und Experten aus der beruflichen Praxis aktuelles Fachwissen und Methodenkenntnisse zu den Schwerpunkten Öffentlichkeitsarbeit, Digitale Langzeitarchivierung, Bestandserhaltung und Recht. Ergänzend dazu soll das erste Modul eine Orientierung und Prioritätensetzung für anstehende Projekte geben. In einem Workshop ermitteln die Teilnehmenden die Leistungsfähigkeit ihrer eigenen Archive  und leiten daraus Handlungsschwerpunkte und Ziele für die archivische Praxis ab. Die Module können einzeln oder im Gesamtpaket belegt werden. Die Weiterbildung schließt mit einem Hochschulzertifikat ab.

Weitere Informationen, die Programmbroschüre zum Download sowie den Link zur Online-Anmeldung finden Sie hier.

Flucht im Ballon – Dokumente zu einem aktuellen Kinofilm

Aktuell läuft in den Kinos mit Ballon ein sehenswerter Film über die spektakuläre Flucht von zwei Familien aus der DDR mittels eines Ballons.  Der Film beruht auf tatsächlichen Vorgängen aus dem Jahr 1979. Auf der Internet-Seite des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR werden aktuell dazu die Hintergründe in einer lesenswerten Darstellung auf der Grundlage der im BStU befindlichen Akten erläutert.

Ausstellung zur Geschichte des Schlosspark Theaters im Steglitz-Museum

Eine gut kuratierte Ausstellung im Steglitz-Museum wirft einen interessanten Blick auf die Theatergeschichte  im Berliner Südwesten. Seit bald hundert Jahren  gibt es am Ende der dortigen Schloßstraße das Schlosspark Theater.  Und bereits am 24. Juni 1840 war nicht weit entfernt an der neu gebauten Eisenbahnstrecke nach Potsdam  das „Concessionierte Theater“ eröffnet worden, um der neuen Bahnstrecke mehr Fahrgäste zu verschaffen. Theaterkarten bekam man nur, wenn man auch eine Fahrkarte vorweisen konnte.
Das Schlosspark Theater konnte bereits kurz nach seiner Eröffnung große Erfolge feiern. Seine Glanzzeit erlebte es jedoch nach 1945, als dort unter der Leitung von Boleslaw Barlog Schauspieler wie Hildegard Knef, Martin Held, Klaus Kinski, Marianne Hoppe, Peter Ustinov oder Bernhard Minetti auftraten. Seit wenigen Jahren hat Dieter Hallervorden die Bühne übernommen und wieder belebt.
In der Ausstellung wird nun die ganze Geschichte in sieben Räumen des Steglitz Museums erzählt, mit Fotos, Dokumenten, Requisiten und Kostümen sowie Medienstationen mit Filmen von Aufführungen, Theatertreffen und Interviews.

bis 30. Juni 2019
Mein Schlosspark Theater
Steglitz-Museum,
Drakestraße 64A
12205 Berlin
Di–Fr, So 15 bis 18 Uhr

Ab heute Anmeldung zum 2. Berliner Archivtag möglich

Am 20. November 2018 findet in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin, der 2. Berliner Landesarchivtag statt. Mit dem Rahmenthema der Konferenz „Analog zur Wirklichkeit – Mediale Quellen in Archiven“ wird die audiovisuelle Überlieferung in den Blick genommen.
Seit heute ist die Tagungswebsite online und die Anmeldung möglich. Aber auch hier im Blog gibt es auf der Seite Berliner Archivtage die entsprechenden Hinweise.
Der Tagungsflyer mit dem vollständigen Programm bietet weitere Informationen zu Themen und Vortragenden. Anmelden kann man sich bis zum 2. November 2018 mit diesem Anmeldeformular.

Digitales Frauenarchiv gestartet

Am 13. September 2018 ist das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) online gegangen. Damit sind jetzt rund 500.000 Dokumente zur Frauen- und Lebensgeschichte im Internet frei zugänglich, darunter Tagebücher, Fotos und Zeitschriften. Das DDF ist ein gemeinsames Portal der feministischen Erinnerungseinrichtungen, getragen vom i.d.a.-Dachverband, in dem sich gut 40 Lesben-/Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen zusammengeschlossen haben, die diese wertvollen Dokumente  bewahren. Zu diesen Archiven zählen  auch das Spinnboden Lesbenarchiv und -bibliothek und das Frauenforschungs-, -bildungs- und Informationszentrum (FFBIZ) aus Berlin.
Der Tagesspiegel und die taz haben über den Festakt im Senatssaal der Humboldt-Universität zu Berlin berichtet und die Hintergründe beleuchtet.

Das Bauhaus-Archiv im Haus Hardenberg

Bauhaus-Archiv Berlin im Haus Hardenberg
Foto: Bauhaus-Archiv, Catrin Schmitt

Seit dem Sommer residiert das Bauhaus-Archiv im Haus Hardenberg in Berlin-Charlottenburg. Es wurde aus seinen bisherigen Räumen im von Walter Gropius entworfenen Museumsgebäude in der Klingelhöferstraße übergangsweise ausquartiert, da dort Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten durchgeführt werden.

Seit dem 30. Juni 2018 bietet das Baushausarchiv am neuen Standort einen Einblick in seine Bestände. Mittels des neuen Formats unter dem Namen »the temporary bauhaus-archiv / Museum für Gestaltung«  kann das Publikum dort historische Fotos und Dokumente zu den Anfängen der Institution und der Entstehung des Stammhauses in der Klingelhöferstraße betrachten. Ebenso sind die Pläne für den Erweiterungsbau zu sehen.

Knesebeckstraße 1-2
10623 Berlin-Charlottenburg
Mo–Sa, 10–18 Uhr
Eintritt frei