Der Bestand „Kirchenbuchstelle Alt-Berlin“ – Ergebnis einer kirchlichen Sippenforschung

Hitlers Helfer vom Archiv, unter diesem Titel sendete der Deutschlandfunk vor kurzem einen hörenswerten Beitrag über den Bestand „Kirchenbuchstelle Alt-Berlin“ im Evangelischen Landeskirchlichen Archiv in Berlin. Diese Einrichtung wurde 1936 auf Intitiative des Pfarrers Karl Themel gegründet, der zu einem glühenden Nationalsozialisten avanciert war und Leiter der neuen Behörde wurde.
Die Kirchenbuchstelle mit Sitz im Gemeindehaus der Georgenkirche undzeitweilig über 30 Mitarbeitern sollte alle Kirchenbücher der Altberliner Stadtgemeinden zentral erfassen und eine Gesamtkartei aller in diesen Büchern vorkommenden Namen anlegen. Doch Themel ließ seine Mitarbeiter die Karteien zusätzlich gezielt nach Christen jüdischer Herkunft durchforsten und diese in einer extra angelegten Fremdstämmigenkartei erfassen. Er tat das selbstständig, ohne erst Anfragen von Gestapo oder Parteistellen abzuwarten, und gab die Namen an die Verfolgungsbehörden weiter. Damit wurde er aktiver Teil der Verfolgung, denn ohne seine akribische Arbeit wären die Verfolgungsbehörden nicht so einfach an die Namen gelangt.
Die Zeugnisse seines Tuns, u. a. 21 schmale Katalogbändchen mit rund 2.600 Namen, sind heute noch im Evangelischen Landeskirchlichen Archiv einzusehen.
Der Beitrag, in dem auch der Leiter des Archivs Wolfgang Krogel zu Wort kommt, kann hier nachgehört werden. Die Bestandsbeschreibung findet sich hier.