Kategorie-Archiv: Allgemein

Geschichte des Reichsarbeitsministeriums im Nationalsozialismus

Die zur Erforschung der Geschichte des Reichsarbeitsministeriums im Dritten Reich eingesetzte Historikerkommission übergab am 27. Juni 2017 im Rahmen eines Symposiums den ersten Band einer sechsteiligen Publikationsreihe an Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles.

„In den Blick genommen werden Organisation und Personal des Reichsarbeitsministeriums sowie die Handlungsfelder der Behörde im Bereich der Wohnungsbau- und Rentenversicherungspolitik, des Arbeitsrechts und der Arbeitsverwaltung. Zugleich wird die Rolle des Ministeriums im Rahmen der Kriegswirtschaft und in den besetzten Gebieten Europas zwischen 1939 und 1945 beleuchtet und auch die Nachgeschichte nach Kriegsende untersucht.“ (Quelle)

Die weiteren Bände sollen 2018 folgen. Über das Forschungsvorhaben informiert eine interaktive Dokumentation auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Die neue Direktorin des GStA Ulrike Höroldt bereitet ihren Umzug vor

Ulrike Höroldt, derzeit noch Leiterin des Landesarchivs Sachsen-Anhalt in Magdeburg,  bereitet gerade ihren Umzug vor. Wie bereits gepostet, wird sie im Juli als erste Frau in dieser Position die neue Direktorin des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz in Berlin, in Nachfolge von Jürgen Kloosterhuis, der in den Ruhestand geht. 15 Jahre lang hat sie das Magdeburger Archiv geleitet und es in dieser Zeit in ein neues modernes Domizil geführt, wovon sich viele Teilnehmer des Deutschen Archivtages 2014 bei einer Besichtigung persönlich überzeugen konnten. Bereits Ende Januar 2017 hatte sich Ulrike Höroldt zu ihren Plänen für das GStA geäußert, während sie von der Magdeburger Zeitung „Volksstimme“ gerade noch einmal porträtiert wird.

Jugendliche recherchieren zur Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus

Ein interessantes Projekt zur Archivarbeit mit Jugendlichen veranstaltet derzeit das Jugendmuseum in Berlin-Schöneberg. Schüler aus Berlin und Tel Aviv forschen gemeinsam zur Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus. „Alle zusammen und niemand vergessen“ lautete die Projektwoche, die Ende März im Jugendmuseum durchgeführt wurde. Dort und bei einem Gegenbesuch im Juli in Tel Aviv-Jaffa forschen Schüler des Robert-Blum-Gymnasiums und der Alterman Tichonet School in Archiven, besuchen Gedenkorte und befragen Zeitzeugen. Ebenso beschäftigen sie sich mit den Formen des öffentlichen Erinnerns an diese Verfolgung und setzen sich mit der aktuellen Situation von Flüchtlingen auseinander, die wegen ihrer sexuellen Orientierung in ihrem Herkunftsland verfolgt wurden. Mehr über das Projekt kann man der Pressemitteilung entnehmen.

Berliner Datenschutzbeauftragte rügt Krankenhäuser wegen der Auslagerung von Archivdienstleistungen

DatenschutzDie Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Maja Smoltczyk hat am 7. April 2017 ihren Tätigkeitsbericht für das Jahr 2016 vorgestellt. Darin stellt sie u. a. fest, dass durch die gegenwärtige Praxis der Krankenhäuser,  Archivdienstleistungen auszulagern, insbesondere Digitalisierung und Archivierung von Patientenakten, geltende Gesetzte verletzt werden.
Viele Kliniken haben in der jüngsten Vergangenheit Tochtergesellschaften gegründet, um Dienstleistungen auszulagern. Zuletzt zählten dazu auch die Digitalisierung und Archivierung von Patientenakten. Dabei werden schutzwürdige und sensible Patientendaten an Dritte übermittelt, die keiner ärztlichen Schweigepflicht unterliegen. Dadurch sind diese Daten nicht mehr geschützt.

Eine Auslagerung von Dienstleistungen durch ein Krankenhaus sei jedoch nur in sehr engen Grenzen zulässig, um dem Schutzbedarf der anvertrauten sensitiven Patientendaten Rechnung zu tragen. Nur eine neue gesetzliche Regelung könne „gewährleisten, dass die Kenntnisnahme von Berufsgeheimnissen auf das unbedingt Erforderliche beschränkt wird und die Dienstleister ebenfalls der Schweigepflicht unterworfen werden. Auch muss durch Weisungsrechte der Berufsgeheimnisträger deren Verantwortlichkeit für die Berufsgeheimnisse gewahrt werden.“

Verschollene Unabhängigkeitserklärung Litauens in Berlin gefunden

Die Unabhängigkeitserklärung Litauens vom 16. Februar 1918 ist im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes entdeckt worden. Seit der sowjetischen Besatzung des Landes 1940 galt das Dokument als verschollen. Wie die FAZ schreibt, hat der litauische Historiker Liudas Mazylis nun eine  handschriftliche Ausfertigung der Erklärung in deutscher und litauischer Sprache gefunden. Der Litauische Rat, das Führungsgremium der Unabhängigkeitsbewegung, hatte das Dokument im Februar 1918 den Vertretern des Deutschen Kaiserreichs übergeben, das am Ende des Ersten Weltkriegs in Litauen Besatzungsmacht war. Ein weiteres Exemplar soll nach Russland gegangen sein. Über dessen Verbleib ist nichts bekannt.

In Litauen löste der Fund eine große Begeisterung aus, insbesondere, da im nächsten Jahr, am 16. Februar 2018, der hundertste Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung gefeiert wird.

Das Zimmermann-Telegramm im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts

2017 kehrt zum 100. Mal eine der zahlreichen bizarren Episoden des Ersten Weltkriegs wieder: Das sogenannte Zimmermann-Telegramm – Deutschlands Bündnisangebot an Mexiko für einen Krieg gegen die USA. Das Stück ist ein dankbares Demonstrationsobjekt für eine aktenkundliche Analyse und hat eine interessante Überlieferungsgeschichte.

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Der Bestand „Kirchenbuchstelle Alt-Berlin“ – Ergebnis einer kirchlichen Sippenforschung

Hitlers Helfer vom Archiv, unter diesem Titel sendete der Deutschlandfunk vor kurzem einen hörenswerten Beitrag über den Bestand „Kirchenbuchstelle Alt-Berlin“ im Evangelischen Landeskirchlichen Archiv in Berlin. Diese Einrichtung wurde 1936 auf Intitiative des Pfarrers Karl Themel gegründet, der zu einem glühenden Nationalsozialisten avanciert war und Leiter der neuen Behörde wurde.
Die Kirchenbuchstelle mit Sitz im Gemeindehaus der Georgenkirche undzeitweilig über 30 Mitarbeitern sollte alle Kirchenbücher der Altberliner Stadtgemeinden zentral erfassen und eine Gesamtkartei aller in diesen Büchern vorkommenden Namen anlegen. Doch Themel ließ seine Mitarbeiter die Karteien zusätzlich gezielt nach Christen jüdischer Herkunft durchforsten und diese in einer extra angelegten Fremdstämmigenkartei erfassen. Er tat das selbstständig, ohne erst Anfragen von Gestapo oder Parteistellen abzuwarten, und gab die Namen an die Verfolgungsbehörden weiter. Damit wurde er aktiver Teil der Verfolgung, denn ohne seine akribische Arbeit wären die Verfolgungsbehörden nicht so einfach an die Namen gelangt.
Die Zeugnisse seines Tuns, u. a. 21 schmale Katalogbändchen mit rund 2.600 Namen, sind heute noch im Evangelischen Landeskirchlichen Archiv einzusehen.
Der Beitrag, in dem auch der Leiter des Archivs Wolfgang Krogel zu Wort kommt, kann hier nachgehört werden. Die Bestandsbeschreibung findet sich hier.

Die Sprache der Stasi – Vortrag und Lesung am 28. Februar 2017

Verbergen, Verdecken, Verschlüsseln

Ein Meer an Abkürzungen, endlose Schachtelsätze, bürokratisch-militärische Wortungetüme: Die DDR-Staatssicherheit arbeitete in einer eigenen Sprache. Sie war Ausdruck des Feind- und Weltbildes der Stasi-Mitarbeiter.

Der Sprachwissenschaftler Dr. Steffen Pappert (Universität Duisburg-Essen) analysiert die besonderen Kennzeichen der Sprache in den Stasi-Akten und liefert so neue Einblicke in das System der DDR-Geheimpolizei. Er zeigt, welchen Einfluss Sprache auf die Gesellschaft haben kann und sieht Sprache als ein Spiegel der Funktionsweise des Ministeriums für Staatssicherheit.

Im Anschluss an den ca. 45-minütigen Impulsvortrag sind die Besucher in das Stasi-Unterlagen-Archiv eingeladen. In einem Magazinraum werden Mitarbeiter des Archivs Auszüge aus den Stasi-Akten vorlesen und können zur Struktur und Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit befragt werden.

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Quelle: Stasi-Unterlagen-Archiv“. Darin erläutern Archivare, Rechercheure und Forscher die Arbeit mit dem Archivgut der DDR-Geheimpolizei. Sie findet jeden letzten Dienstag im Monat statt.

Termin: Dienstag, 28. Februar 2017, 18.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen: www.BStU.de

Veranstaltungsort:
Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen
Ehemalige Stasi-Zentrale
„Haus 1“, Projektwerkstatt (Raum 418)
Ruschestraße 103
10365 Berlin

Catalogus Professorum der TU Berlin

CP_TUBAm Freitag, 20.01.2017 wurde der Catalogus Professorum der Technischen Universität Berlin auf dem Neujahrsempfang des Präsidenten der TU Berlin der Öffentlichkeit übergeben. Aufbau und Pflege dieser prosopographischen Datenbank sind Aufgaben des Universitätsarchivs der TU. Es handelt es sich um einen online zugänglichen Katalog aller Professorinnen, Professoren sowie Lehrbeauftragten der TU Berlin einschließlich ihrer Vorgängereinrichtungen. Bisher sind ca. 2500 Personen mit ihren biografischen Eckdaten sowie Angaben zu ihrer Lehrtätigkeit einschließlich ihrer universitären Ämter erfasst. Vollständig enthalten sind die Lehrenden der Bauakademie, der Gewerbeakademie, der Bergakademie sowie der Technischen Hochschule Berlin (Ende 18. Jh. bis 1945). Derzeit wird an der Eingabe der Daten zur TU Berlin für den Zeitraum von 1945 bis 1970 gearbeitet. Ebenfalls enthalten sind Listen zu den Dekanen der TH (1879-1945), zu den Dekanen und Prodekanen der TU (1946/47-aktuell), zu den Rektoren und später Präsidenten der TH bzw. der TU (1879-aktuell) sowie zu den in der NS-Zeit vertriebenen Angehörigen des Lehrkörpers der TH (1933-1945).

Planung und Einrichtung einer solchen Datenbank erfolgte bereits im Jahr 2001 unter der Leitung von Karl Schwarz. Die zugehörige Projektgruppe nahm ihre Tätigkeit 2002/03. Leider ruhte das Projekt zwischenzeitlich über viele Jahre bis es im Universitätsarchiv weitergeführt werden konnte.

Entwurf des Bundesarchivgesetzes heute in zweiter und dritter Lesung

Heute nachmittag gegen 16 Uhr wird der Deutsche Bundestag nach zweiter und dritter Lesung über den Gesetzentwurf zur Neuregelung des Bundesarchivrechts abstimmen.  Neben zahlreichen positiven Änderungen enthält der Entwurf auch Passagen, die von zahlreichen Experten wie Historikern, Wissenschaftlern und Archivaren, dem Netzwerk Recherche, den Journalistengewerkschaften DJV und DJU und der Opposition stark kritisiert werden. Erst in den letzten Tagen gab es wieder zahlreiche Äußerungen in den Medien wie der Süddeutschen Zeitung, der FAZ, bei Bild, im Deutschlandradio und im SWR. Neben der Tatsache, dass der Gesetzentwurf in mehreren Punkten hinter die geltenden Landesarchivgesetze zurückfällt, geht es dabei hauptsächlich um die geplante Ausnahmeregelung für Geheimdienste. Diese bräuchten dem Bundesarchiv danach  nur noch Akten zu übergeben, wenn ihrer Meinung nach „zwingende Gründe des nachrichtendienstlichen Quellen- und Methodenschutzes sowie der Schutz der Identität der bei ihnen beschäftigten Personen einer Abgabe nicht entgegenstehen.“

Trotz der starken Kritik auch aus den eigenen Reihen, wie von der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit Andrea Voßhoff (CDU), halten CDU/CSU und SPD an an den umstrittenen Passagen im Gesetz fest. Wer die Debatte live verfolgen will, hat dazu im Parlamentsfernsehen ab 15.55 Uhr die Möglichkeit.